Technology is our friend

Apr 17, 2013

Tough Quotes about TV and Digital Natives

You will find a million new quotes everyday how TV is dead and how advertising will kill it once they get to realize it. But if you find quotes from a guy who will very soon reach a billion (1.000.000.000) views with a news channel (!!) on YouTube, it might be advisable to listen.



The guy's name is Cenk Uygur, and I found these two quotes in a short article on paidcontent.org:

“They grew up on YouTube. That is their TV.”

Of course "they" refers to the audience of "The Young Turks", the billion-view-channel. From my own experience, i can somewhat relate to that. When i was growing up, having an own TV in your kids room was the most desireable thing. Getting older, the richer kids could add a game console and a VHS recorder. But owning a TV was really important. Now, kids in my environment ask for their own laptop, an iPod touch or an iPad (to add to the Nintendo DS that they get a lot earlier in life) - and all they do is watching stuff on Youtube. There is no linear programming, and you don't even have to record anything. Except for movies on DVD the laptop is their primary source of audiovisual entertainment. TV is used for stuff "that isn't on Youtube" - and for TV events, currently for example "The Voice Kids" (in our household). I think it is legitimate to say "YouTube is their TV", meaning it is a (way cooler, richer, better) version of what the TV was to us. The second quote is even more interesting (and disturbing, in a way):

“To them, TV now equals fake. And online equals real.”

To us, the "old generation", the (early or late but still:) immigrants in the digital world, this may seem cynical. But I think Uygur has a point there. He lead into the quote by talking about "authenticity" as a primary success factor, and YouTube as an environment for content features both animations, Batman and music videos but also home made, authentic stuff that - and you get a sense for this when you heavily use YouTube - can be published by anyone. Content on TV must have gone through hundreds of hands and must have been challenged, discussed and changed by multiple boards and committees. Not that anyone would be aware of these processes, but everyone gets the feeling that it is "controlled" (even if only controlled by time - each TV channel still has just a capacity of 24 hours of content each day). Controlled is suspicious, uncontrolled is not. This might sound disturbing at first, but there is a truth in it: If I can find the opposite opinion on Youtube as well, or read in the comments that something is fake, I can at least get the impression of an open "competition of opinions" or "battle of interpretations". That is real. On TV, the news - think for example about Fox News - claim to be the voice of truth. The same channel does not really give me a second, maybe completely different opinion or interpretation of things. From this standpoint, diversity and plurality is real, and controlled, monopolistic media offers are suspicious at least. The kids' instincts are intact, I think.

Apr 4, 2013

Finale Lager-Räumung

Wenn man von einer Ware eine bestimmte Anzahl vorbestellen muss, im Risiko, sie vielleicht nicht verkauft zu bekommen, Regale kauft oder mietet, wo man diese Ware dann unterbringt, und sie dann auch noch gegen Geld von A nach B schaffen muss.... könnte man, wenn die Zeit reif ist, damit aufhören und die Ware digital vertreiben - ohne Auflagen-Risiko, Lagerung, Transport. Für die letzten Exemplare könnte man sogar noch Kunden entlohnen, die einem das Lager leer machen. In den USA ist es, was Musik betrifft, jetzt so weit. Und stellen wirklich Menschen in Frage, dass es bei Filmen und Büchern auch so kommen wird?


Apr 2, 2013

Transparenz und so

Via Open Petition. Schaden wird es nicht, wenn die Öffentlichkeit hier besser informiert wird.

Mar 27, 2013

Manchmal freut man sich...

... wenn man merkt, dass die teuflisch geniale Quer-, Hoch- und Runter-Analyse noch immer nicht so weit ist. Nicht, weil ich nicht gern relevante News haben würde, gerne auch zu Fußball, weil's mich interessiert - sondern weil der Ansatz "du musst nichts tun, wir sagen dir auch nichts darüber, das machen alles unsere Maschinen für Dich", schon im grundsätzlichsten Basisgedanken falsch ist.


Mar 24, 2013

Für "Programmieren" als Schulfach!


Freitag war es wieder so weit: Es wurde ein weiteres Gesetz verabschiedet, das mit der Realität einer digitalisierten Gesellschaft nichts zu tun haben will, obwohl relativ unumstritten ist, dass dieses Gesetz verfassungswidrig sein dürfte.

Ich selbst werde müde, mich darüber aufzuregen; zum Glück gibt es aktivere Leute, denen die Energie nicht so schnell ausgeht. Aber es stellt sich nicht nur die Frage, wie man ganz konkret gegen aktuelle, in meinem Empfinden immer hanebüchenere Gesetzesvorhaben und Abkommen vorgehen kann, sondern auch, was dieses für eine Gesellschaft als Ganzes bedeutet. Eine Gesellschaft in Europa, wo es ja schon auch mal vorkommen kann, dass an einem Freitag Abend Menschen in Brüssel beschließen, dass x% deines Geldes weg sind, obwohl sie Dir zuvor das Gegenteil garantiert haben, und wo dann bis zum darauffolgenden Donnerstag (!) die Geldautomaten nicht mehr funktionieren und die Banken geschlossen sind. Vor 4 Wochen hätte ich das noch für absurd gehalten. Heute nicht mehr. 
Woher soll ich das Vertrauen nehmen, dass Beamte nicht zum Spaß in den Bestandsdaten von Falschparkern wühlen? Zum Glück ist auf unser Bundesverfassungsgericht schon immer Verlass gewesen, und ich bin mir recht sicher, dass sie dieses Gesetz kassieren werden. Aber ich bin auch der Überzeugung, dass der Staat an vielen Stellen, insbesondere eben in der Strafverfolgung, Gebrauch von digitalen Technologien machen muss und dass in der Grauzone eher die Bürgerrechte als die Staatsrechte leiden werden. Deswegen stellt sich schon die Frage, wie man sich dagegen schützen kann, wenn Dein Gesetzgeber durchdreht. Zum Beispiel wenn er komische Gesetze, basierend auf glatten Lügen, beschließt, in Komplizenschaft mit der vierten Gewalt, und uns damit andeutet, dass Vernunft, Wahrheit oder Realität nicht immer entscheidungsrelevant zu sein haben? Wer garantiert uns, dass es sich in 20, 30, 40 Jahren noch um Einzelfälle handeln wird? Wird es reichen, wenn wir als Protest auf die Straße gehen?

Ich komme mehr und mehr zu der Überzeugung, dass Hacker demokratierelevant sein werden. Dass mindestens basische Programmierfähigkeiten Bürgerpflicht sein sollten. Der Terrorist des Einen ist immer der Freiheitskämpfer des Anderen, und deswegen ist das eine hochkomplexe Geschichte. Aber Hacker, die Menschen in Saudi Arabien oder China, neuerdings auch in Russland an das offene Internet bringen können, feiern wir als Helden. So kritisch man etwa anonymous sehen kann und muss, so wichtig ist es, dass es solche Menschen gibt. Es kommt eben auch auf das Umfeld an, in dem sie sich bewegen.

Aus meiner Sicht ist es daher nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht wichtig, eine Armee von Programmierern zu erzeugen, sondern auch aus rein politischer. Das wird Missbrauch hervorrufen, aber den sollten wir in Kauf nehmen, wenn es gleichzeitig bedeutet, dass es immer ein Gegengewicht geben können wird zu technischen Sperren und Aktivitäten, zu Software und Zugangsbeschränkungen, die zweifelhaft oder gar eindeutig demokratiefeindlich sind.

In den USA gibt es, wirtschaftlich motiviert, eine Bewegung, die Programmieren zu einem normalen Schulfach machen möchte, unter anderem unterstützt von Mark Zuckerberg und Bill Gates. Das ist in meinen Augen vollkommen richtig. Wirtschaftlich – und eben auch politisch. Wenn in 15, 20 oder 25 Jahren der normale Laptop oder PC ein Freakmodell sein werden und die normalen Leute Brillen, Tablets und wearable Computer mit geschlossenen Betriebssystemen benutzen, brauchen wir eine Armee von Jailbreakern, Hackern und Programmierern - und „normale Menschen“, die ein Jailbreak auch anwenden können. Nicht, um Hulu schauen zu können, sondern um vielleicht an eine Organisation zu spenden, die auf dem Index steht, weil sie „collateral murder“ anzeigt. Vielleicht um überhaupt an Geld zu kommen oder in einem Forum zu schreiben und zu lesen, das evtl. zu Unrecht unzugänglich gemacht werden sollte. Oder um irgendetwas Digitales zu machen, das nicht jeder einsehen können soll. Wenn ich mir die Tendenz der letzten paar Jahre anschaue: wer weiß, wo wir politisch in 10, 15, 20 Jahren stehen. Sicher ist sicher: Für Programmieren als Schulfach. 

Mar 14, 2013

Digitalisierung: Faktor Mensch


Vor 10, 12 Jahren – ich weiß es nicht mehr genau – wurde ich ganz zufällig und privat zu einem Dinner eingeladen, das fast ausschließlich mit Gästen aus der Musikindustrie bestückt war. Alle arbeiteten bei Major Labels, und das in ansehnlichen Positionen. Zu dieser Zeit war ich noch in der strategischen Beratung der I-D Media AG. Das Platzen der ersten New Economy Blase hatte uns schwer getroffen, und es schien, als würden unsere Kunden, meist Konzerne und Großunternehmen, das jeweilige Riesenprojekt „Digitalisierung unseres Geschäftes“ zunächst auf Eis legen. So, wie wir die „alten Manager“ mit unserer Internet-Begeisterung überfallen hatten, wurden wir Digitalos in jener Zeit mit den Eselsmützen in die Ecken der Meetingräume verbannt, als Träumer und Panikmacher gleichermaßen, und manch einer hatte gehofft, das mit der Digitalisierung sei nur ein Trend gewesen und wäre nun wieder vorbei. Nur in der Musikindustrie ging es unverdrossen weiter – weil da ja nicht die Unternehmen, sondern vornehmlich die Nutzer und Kunden den Wandel trieben. Ich war sehr gespannt auf den Abend und hatte mir dutzende Fragen überlegt. Ich wollte wissen, wie man in der Industrie selbst diesen Wandel sah, ob Panik herrschte oder Zuversicht; ob denn wirklich, wie ich vermutete, teuflisch geniale Masterpläne in den Schubladen lagen, für deren Anwendung man nur auf den richtigen Zeitpunkt wartete. Es konnte ja nicht sein, dass man naiv und sehenden Auges in etwas hineinschlitterte, das für mich den Untergang der Majors bedeutete – wenn ich durch damals bereits 6,7 Jahre Tätigkeit auf Agenturseite eines gelernt hatte, dann eben, dass anscheinende Fehltritte, die man per Ferndiagnose sehen konnte, immer gute Gründe hatten: nirgendwo arbeiten mehrheitlich dumme Menschen, die auf der Hand liegende, offensichtliche Potenziale oder Gefahren nicht sehen. Es ist in der Regel ja eher so, dass man von außen viele Zusammenhänge nun einmal nicht sofort erkennt, die für das eine oder andere, auf den ersten Blick verwunderliche Verhalten von Unternehmen verantwortlich sind. 
Das Dinner verlief allerdings enttäuschend; weder erfuhr ich etwas von einem Masterplan, noch lernte ich etwas über die Funktionsweisen und Mechaniken des Geschäftes, was nicht ohnehin schon jedermann bekannt war. Wenn ich versuchte, das Gespräch auf die Bedrohung und die Chancen durch Digitalisierung zu bringen, verlief das ungefähr so:

Ich: „Es könnte ja sein, dass irgendwann ein Artist ganz ohne Label seine Musik selbst vertreibt.“
1: „Ohne Label kommen die Artists nicht klar, die wollen sich mit sowas nicht beschäftigen.“
2: „Stimmt. Als ich anfing, musste ich mal für ArtistXYZ richtig viel Gras besorgen. Als Praktikant.“
3: „Aaaalter, stimmt. Der hat gekifft, meine Herren, sowas hast Du noch nicht gesehen.“
2: „Ja, aber jetzt kommt Heroin ganz groß zurück.“
4: „Auf dem Soundso-Festival haben sie alle gedrückt. Also alle, die cool sein wollten.“
5: „Ja scheiße, ich kann meine Praktikanten doch nicht losschicken, Heroin zu besorgen.“
Undsoweiter. Alle an diesem Tisch schafften es in Rekordzeit, jedwede Anregung zu einer Business-Diskussion in Szene-Gossip umzuwandeln. Nun dürften viele bei einem Dinner auch nicht unbedingt große Lust verspürt haben, über ihr Geschäft als solches zu diskutieren, sondern wollten in ihrer Freizeit vielleicht einfach nur das genießen, weshalb sie wahrscheinlich in der Musikindustrie gelandet waren: Die Musik selbst und den Lifestyle drumherum, die Nähe zu Stars, die Anekdoten aus dem Leben der Prominenten  und die teilweise wirklich wilden Geschichten, die mit „Anekdote“ gemäß ihrem FSK-18 Status nicht treffend beschrieben werden können.
Zwei, drei Jahre zuvor, der New Economy Wahnsinn war in vollem Gange und ich ein euphorisierter, besserwissender, viel zu junger Berater, der im Gegensatz zu fast allen Kunden das Licht des Internets gesehen hatte, durfte ich beim Versandhändler Quelle unsere Agentur präsentieren und ein erstes Beratungsgespräch führen. „E-Commerce“ war das Zauberwort, wir gaben dem Versandhandel per Katalog vielleicht noch drei, vier Jahre, und in diesem Fall war es kein Dinner, sondern ein reguläres Meeting. Die Gesprächsverläufe waren aber ähnlich. Ich brachte Mechaniken des Digitalgeschäftes zur Sprache, die Möglichkeit, sich nicht nach Druck- und Versandkosten richten zu müssen in der Anzahl der Produkte, die man anbieten kann, und als Antwort kam, dass die xtausend Artikel im Quelle-Katalog für die Kunden ohnehin schon zu viele seien. Dann wurde mir die Funktionsweise des Versandhandels per Katalog lang und breit erläutert. Das war sehr lehrreich für mich, aber es führte natürlich nicht dazu, dass wir über das Potenzial von E-Commerce sprachen, sondern über das Potenzial des analogen Versandhandels. Ich argumentierte, dass Preisvergleiche kämen und Sortimentsbreite und –tiefe wichtiger würden, immerhin den Lieblingsspruch jener Zeit vermeidend, dass die Konkurrenz nur einen Klick entfernt sei. Wieder erntete ich Vorträge über die unfassbaren Gewinnmargen und die rigorose Preisdurchsetzung, die aufgrund der Marke Quelle möglich sei, und die kein „Online-Händler“ in absehbarer Zeit aufbauen könnte. Es war auch bei Quelle nicht so, dass die Leute, die zu diesem Termin mit mir verdammt waren, nicht intelligent genug gewesen wären, die Chancen und Risiken der Digitalisierung zu begreifen – es war nur so, dass sie anscheinend zu versunken in ihrem eigenen Geschäft waren, zu überwältigt von dem, was sie tagtäglich seit Jahren taten, zu sehr den Mechanismen und Funktionsweisen ausgeliefert waren, die in ihrem Geschäft bisher über Erfolg und Misserfolg bestimmten. So erklärte ich mir das.
Solche Begegnungen sind eher selten geworden in den letzten Jahren. Fast überall hat man nun ein Gefühl dafür bekommen, wie lange es einerseits dauert, bis Digitalisierung sich in der Masse der Gesellschaft in diesem oder jenem Markt durchsetzt, und fast überall herrscht eine gesunde, sachliche Betrachtung von Chancen und Risiken digitaler Geschäfte vor, selbst wenn sie sich Stück für Stück in ein funktionierendes, analoges Geschäft hineinbeißen, dort Margen verringern, Wertschöpfungsketten auf den Kopf stellen und etablierten Marktteilnehmern zunächst einmal eher düstere Perspektiven bescheren. Aber zuletzt hatte ich ein paar Gespräche dieser Art, die mich an jene stürmischen Zeiten erinnerten; die wieder diesem Mechanismus folgten: „Digitalisierung betrifft alle, aber uns nicht wirklich, und eigentlich wird alles so sein, wie es schon immer war.“ Verwunderlich genug, dass diese Gespräche mit Mitarbeitern von Buchverlagen stattfanden. Addiert mit der allgemeinen Überraschung über den Tod etablierter Zeitungstitel, als wäre der nicht absehbar gewesen, stellt sich mir die Frage, inwiefern die Digitalisierung noch immer deswegen ganze Unternehmen oder sogar Märkte selbst im Jahr 2013 noch „überrennen“ kann, weil die Menschen, die dort arbeiten, sich mit ihr partout nicht tiefgreifend auseinandersetzen wollen. Zu einem gewissen Grad sind sie ja alle dazu gezwungen – sie besitzen iPhones, iPads, buchen selbst ihre Reisen online und kaufen nur noch in Ausnahmefällen CDs. Ihre Firmen haben Websites und Amazon Rezensionen über Staubsauger beeinflussen die private Kaufentscheidung mehr als Muttis Empfehlung. Aber dennoch: Wenn es ans Eingemachte geht, also nicht daran, eine Fanpage zur Bewerbung eines Produktes bei Facebook einzurichten, sondern an die ganz grundlegenden Funktionsweisen eines Geschäftes, gewinne ich wieder zunehmend den Eindruck, dass gerade dann besonders gerne gehofft wird, dass das alles nicht eintreten möge oder wenn, dann wenigstens in ein, zwei Dekaden, so dass man selbst dann entweder Chef oder in Rente ist, also seine Schäfchen auf diese oder jene Art im Trockenen hat.
Ohne Größenwahn wird man ja nichts, und deshalb denke ich seit einiger Zeit über eine „allgemeine Theorie der Digitalisierung“ nach. Es scheint, als habe noch niemand ernsthaft versucht, allgemein zu beschreiben, welche Funktionsweisen greifen, welche Mechanismen in Gang treten und welche Phasen durchlaufen werden, wenn ein früher analoges Geschäft durch die Digitalisierung von Produkten und Prozessen grundlegend verändert wird (für Buchtipps bin ich dankbar). Mein größtes Hindernis neben der ohnehin schon riesigen Komplexität des Themas ist dabei der Faktor Mensch: Würden Unternehmen sich rational verhalten, wäre vieles anders gelaufen in den vergangenen knapp zwei Jahrzehnten. Irrationalität, in positiver oder negativer Form, kommt dabei durch den Menschen ins Spiel (so, wie es die „Verweigerer“ gibt, hat es auf der anderen Seite natürlich auch die „Begeisterten“ gegeben, die Phantasiesummen investiert und auf absurde Pferde im Digital-Wettrennen gesetzt haben). Die Verweigerer, im besten Fall Agnostiker, stellen für eine Vorhersage zukünftiger Entwicklungen (der Sinn und Zweck einer Theorie der Digitalisierung – die Vorhersage eintretender Marktmechanismen und die Befähigung von Akteuren, erfolgreich darin zu handeln) das größte Hindernis dar. Anders als früher kennen diese bereits digitalisierte Märkte und Branchen. Als Kunden sind die darin mit einer hohen Selbstverständlichkeit unterwegs. Der Transfer in die eigene Branche wird nicht immer vollends verweigert – teilweise wird auch einfach der Zeitraum, in dem Veränderungen einsetzen könnten, extrem großzügig gesetzt, und davon ausgegangen, das für ein etabliertes, solventes Haus auch spät immer noch rechtzeitig ist - und ich denke dabei unentwegt an den Frosch im kochenden Wasser. Vielleicht auch oft genug zu Unrecht, es sind ja nicht alle den Weg vom Quelle Versand gegangen.
Ich bin mir nicht sicher, inwiefern man die „Psychologie des Verweigerns“ in eine Theorie der Digitalisierung einbauen müsste. Es spielen sehr viele Einflüsse eine Rolle, etwa das Fehlen einer Kultur des Scheiterns, wie Sascha Lobo glänzend darstellt. Ich weiß aber, dass ich – und da spreche ich sicher auch für den einen oder anderen Kollegen – den Faktor Mensch bei der ganzen Sache oft unterschätze, bis mich solche Gespräche wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Bei Verlagen denke ich immer darüber nach, wie Self-Publishing-Plattformen Newcomern wie etablierten Autoren dann, wenn digitale Verkäufe erst richtig anziehen, mehr Einnahmequellen bieten, als Verlage es bei ihren derzeitigen Apparaten darstellen können. Wie die Bedeutung der Covergestaltung und der „Visitenkarten-Funktion“ des Buches abnimmt, wenn mich als Leser keiner mehr mit dem Buchtitel sieht. Wie das Portfolio der Verlage explodiert, wenn Druckkosten keine Rolle mehr spielen in der Frage, ob man einen Titel verlegen soll oder nicht, und welche Vertriebsmechaniken einsetzen müssen, wenn der stationäre Buchhandel langsam schrumpft und Amazon und andere digitale Plattformen keine Stückzahlen mehr bestellen müssen, sondern jede Kopie live und direkt erzeugt wird, wenn ein Kunde ein Buch kaufen will. Ich frage mich, ob Piraterie auch hier ein Thema wird und wie lange ein digitalisierter Back-Katalog etablierte Verlage mit Gewinnen versorgt; wie die Entdeckung neuer Buchtitel für den Konsumenten funktionieren wird und warum "50 Shades of Grey" als ebook niemanden interessierte, um als Papierbuch zu einer Goldgrube zu werden. Wenn Amazon heute der größte Kunde aller deutschen Großverlage ist, vor einigen Jahren ins Endgerätegeschäft eingestiegen ist und Kindles fast zum Materialwert verkauft, wird eine Telekom-Plattform dann ein hinreichendes Gegengewicht bilden?
Und dann sprichst du mit den Menschen, und sie finden all diese Fragen irrelevant. Vielleicht spreche ich ja auch mit den Falschen, und es gibt in den Verlagen andere, die sich tagein tagaus nur damit beschäftigen und einen teuflisch genialen Masterplan nach dem anderen in ihre Schubladen stecken, und nur noch nicht die Zeit für reif halten, diese endlich auszupacken. Noch schützt ja die Buchpreisbindung, und auf den Gesetzgeber, siehe LSR, konnte man sich im coolsten Land der Welt bisher ja auch wirklich verlassen. Dann hätte man vielleicht bisher keinen so glänzenden Job darin gemacht, die Mitarbeiter „mitzunehmen“, aber vielleicht ist ja auch nicht einmal dafür die rechte Zeit gekommen. Im Zweifel wissen es die Leute in den Verlagen besser als unsereins mit reiner Ferndiagnose.
Meine Vermutung ist aber, dass es eine Resistenz gibt gegen alles, was noch mehr Wettbewerb, noch mehr Leistungsgedanke, noch mehr Transparenz und noch mehr Effizienz bedeutet oder bedeuten kann. Eigentlich unabhängig von der Digitalisierung, aber oft genug mit ihrer Hilfe sind fast alle Unternehmen in den letzten ein, zwei Jahrzehnten mehrfach durchoptimiert worden. Wachstum, unsere wichtigste Währung, kann ja nicht immer nur durch noch mehr Verkäufe erreicht werden; oft genug steigen Margen (oder bleiben bei sonst widrigen Umständen auf ihrem Niveau) deshalb, weil die Kosten minimiert, Abteilungen geschrumpft und Prozesse verschlankt werden. Und dann stellt sich dein Markt auf den Kopf, alles wird noch effizienter und noch messbarer, jeder Handschlag sichtbarer und nur dann goutiert, wenn er einen Erfolgsbeitrag liefert. Getreu dem gar nicht sooo lustigen Spruch: „Egal, was Du machst, es gibt irgendwo einen 8jährigen Asiaten, der das besser kann als Du“, ist eine maximale Transparenz in Märkten ganz sicher auch als Bedrohung zu sehen. Vielleicht verhält sich der Faktor Mensch in Digitalisierungsprozessen also deshalb so anscheinend irrational, weil es nicht gelingt, die Chancen von Veränderung auch für das alltägliche Arbeitsleben zu skizzieren. Weil all das rationale Beschreiben von Potenzialen, Mechanismen und Funktionsweisen den Menschen emotional nicht wirklich berührt - und wenn überhaupt, dann negativ, verunsichernd, eventuell auch beängstigend. Allein die Bezeichnung „Faktor Mensch“ ist so gesehen schon in der Anlage falsch, und wer das beim ersten Lesen der Headline gleich gemerkt hat, den beglückwünsche ich hiermit zu seiner Reife und Weisheit.

Ich selbst jedenfalls entdecke derzeit „Arbeitswelt/Arbeitsalltag“ als einen unterbeleuchteten Bereich in all den Überlegungen dahingehend, was die Digitalisierung mit Märkten und Unternehmen macht. Vielleicht sind deshalb Großunternehmen so resistent gegen Veränderung. Vielleicht können Start-Ups das nicht deswegen besser, weil sie keine Konzernstrukturen haben, sondern weil die Menschen, die dort arbeiten, gar keinen „alten“ Arbeitsalltag kennen, der sich negativ verändern könnte. Dann müssten Strategien, wie ich sie gerne produziere, nicht nur Ziele, das Unternehmensverhalten und seine Projektierung beschreiben, und irgendwann im siebten Unterkapitel der Implementierung den Begriff Change Management fallen lassen, sondern von Beginn an die Arbeitswelt, Stellenprofile, Tätigkeitsbeschreibungen und erforderlichen Fähigkeiten der Angestellten mitdenken. Vielleicht braucht es gar keine allgemeine Theorie der Digitalisierung, sondern viel eher ein „Feng Shui der Digitalisierung“, die Harmonisierung des Menschen mit seiner unmittelbaren Arbeitsumwelt, damit der Satz „Technology is our friend“ auch für Konzerne und Großunternehmen in sich wandelnden Märkten gilt. To be continued.


Update März 15: Interessantes Interview im selben Zusammenhang mit Gunter Dueck 

Mar 4, 2013

Professional football players on Twitter

Far away from complete, but i will keep collecting and updating the lists.
At least i plan to: Lists of Twitter accounts of professional football players.

Bundesliga Players
Primera Division
Serie A
Premier League
Other leagues & former players, football celebrities etc.

List overview here.


Feb 20, 2013

Two more wonderful videos

I love the future .-) After finding and posting this video today, I stumbled upon two more that are simply worth sharing: The amazing idea of 3D printing with a pen (first) and the ultimate "always on"-demo with Google glass - I don't use an adblocker in the web, but i would take one in real life .-)

Take my money, 3Doodler


Always on:

Why, Schmidtlepp?

Nicht twittern wollen ist ja kein Problem. Zu merken, dass Twitter nicht unbedingt der Trafficlieferant schlechthin ist, hätte auch 2010 oder 2011 schon gut funktionieren können, ist aber auch 2013 noch eine legitime Erkenntnis. Aber warum macht Christopher Lauer eine Nummer daraus und kündigt seinen Twitter-Abgang via FAZ-Gastbeitrag an? Ich hatte ihn für schlauer gehalten. Seine Argumentation, dass Kosten und Nutzen nicht übereinstimmten, wobei Nutzen im wesentlichen als Reichweite für seine eigenen Inhalte verstanden wird (und nicht etwa als Austausch, Dialog, Inspiration, Feedback), ist dann besonders seltsam, wenn er dem so definierten Nutzen die Vorzüge eines Gastbeitrags in der FAZ gegenüberstellt und ermittelt, dass er damit viel mehr Leute erreichen würde. "Meinen Gast-Artikel darüber, dass Twitter nichts kann, lesen in jedem Fall mehr Leute als einen Link in einem Tweet". Ja, und? Oder anders: Warum will ich meinen Senf dazu abgeben?

Weil ich dachte, dass gerade die Tatsache, dass ein Gastbeitrag in der FAZ eben nur für ganz wenige Leute ein Kanal ist, über den sie sich äußern können, ein originäres Piraten-Thema sei. Selbst unter Abgeordneten sind es nur ein paar Auserwählte, denen die Möglichkeit gegeben wird, sich in nationalen Tageszeitungen auszutoben. Habe ich die Piraten missverstanden, wenn ich davon ausging, dass gerade die Demokratisierung von Medien, und sei es auf Kosten der Reichweite derer, die gleicher sind als andere, etwas extrem Begrüßenswertes wäre? In der Haltung, die aus dem Gastbeitrag spricht, ist das Verhältnis von "signal to noise", das "Dauerrauschen", ein unüberwindbares Problem. Ist es so gravierend, dass eine Medienwelt zu bevorzugen ist, in der Abgeordnete per Papier zum Volk sprechen und Dialogmedien als Trafficschleuder verstanden werden? Es gibt ja noch die Email? Es ist diese Haltung, die verstört:

"Ich kann FAZ, und deshalb lasse ich das Twittern sein".

Man hätte Twitter, wenn man keinen Bock mehr darauf hat (was ja legitim ist), auch einfach so veröden lassen können - was gewinnt man, wenn man nicht gerade einen Abgang zu Grünen, SPD oder FAZ vorbereitet, indem man das per Gastbeitrag macht, von dem man weiß, dass die meisten Menschen, die sich als "Netizens" sehen, vor allem aber jene, für die Twitter dann doch irgendwie nützlich ist, sich darüber lustig machen werden?

Wahrscheinlich sehe ich den großen Masterplan hinter solch einer Aktion nicht. Oder es ist ganz simpel: "Erfolg", Anerkennung, die Angebote, Zeitungsspalten vollzuschreiben oder offenbar "häufig gestellte Fragen" wie in dem Tweet hier unten steigen einem irgendwann zu Kopf.





Robots that fly & cooperate

See the full talk. If you don't have the time, check the part from min 15:10 and then see if you find the time for the full talk.


Jan 30, 2013

Digitize all the things!

Gerade ein Buch aus einem Antiquariat gefischt. Derzeit gibt es das bei Amazon genau ein Mal, für 15+3 Euro. Vor zwei Wochen habe ich online nur eines für 40 Euro gefunden. Es ist auch egal, wie viel Geld de facto für die gebrauchte Auflage verlangt wird: Nur, weil der Content an Material, Papier gebunden ist, wird er interessierten Menschen, selbst jenen, die bezahlen wollen, nur eingeschränkt oder gar nicht zugänglich gemacht. So, wie ich das verstehe, könnte selbst ein Autor einen Artikel aus diesem Buch, sagen wir John R. Searle seinen Aufsatz "Geist, Gehirn, Programm", nicht einfach selbst veröffentlichen oder bloggen. Und wenn Reclam beschließt, das Ding halt nicht mehr zu drucken, dann ist es eben weg. 
So ein ausgesprochener Humbug in unserer Zeit. Anderes Beispiel: Für meinen Urlaub wollte ich an Fachliteratur aufstocken - nicht einmal jedes fünfte Buch, das ich gern mitgenommen hätte, war als e-book verfügbar (und die anderen zu albernen Preisen). Und die Zeiten, in denen ich Papier in meinem Gepäck mitschleppe, sind nun einmal vorbei. Also habe ich andere Dinge gelesen.

Ich kann an Google Books und ähnlichen Initiativen nichts Verwerfliches erkennen, wenn die Verlage nicht endlich anfangen, ALLES auch digital zu veröffentlichen. Sie müssen sich nicht wundern, wenn auch sie in Piraterie-Fallen rennen werden, denn die Leute wollen nicht primär klauen, sondern in diesem Fall lesen. Wenn sie es ihnen komfortabel und bezahlbar ermöglichen - doch bitteschön und wenigstens im "Back-Katalog" - werden auch keine nennenswerten PDF-Tauschbörsen entstehen. Und nichts gegen Antiquare - aber ihre Jobs sollten eigentlich antiquiert sein.

Dec 18, 2012

2012: This year I learned...

One of my favourite sub-reddits is "TIL" - today I learned. And since I am closing the books for this year today, I thought "this year I learned" might be a good format for a quick review on 2012.