Technology is our friend: 2 Cents zu Avatar
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March 3, 2010

2 Cents zu Avatar

Sorry an alle, die vor Begeisterung gehirngewaschen aus dem Kino gekommen sind, nachdem sie Avatar gesehen haben. Toll fand ich eigentlich nur die Bilder. Und das Wissen um das, was man seit "Herr der Ringe" geahnt hat: Nichts ist mehr unverfilmbar. Das ist toll. 
Noch toller wäre es, wenn man, anstatt vier Jahre Phantasiesprachen zu entwerfen, sich auch darum kümmern würde, Geschichten zu erzählen, die dank dieser tollen technologischen Entwicklungen nicht nur erzählbar, sondern auch erzählenswert sind.
Ich für meinen Teil kann diese Emmerich-style Baukasten-Blockbuster (eine Portion Liebe, die immer erst am Ende erfüllt wird - Underdog-Protagonist, der vom bösen System hinters Licht geführt wird - große Ungerechtigkeit in der Welt, die vom Underdog aufgedeckt wird - mitreißende Moralpredigt am Ende) nur noch aus Freude an der Technik genießen, also als eine Art Bewegtbild-Galerie. 


Die platte Indianer-Analogie vom Naturvolk, das sich bei seiner Beute bedankt und Freund mit den Tieren ist, aber vom hochzivilisierten und mit überlegenen Waffen ausgestatteten Amerikaner des Geldes und der Macht wegen ausgelöscht werden soll, erinnert mich zu stark an "Der mit dem Wolf tanzt". Dazu der hanebüchene Plan, dass der Filmheld das Naturvolk so weit verstehen möge, dass er sie dann dazu bringen könnte, freiwillig vom heiligen Baum der ewigen Erleuchtung fortzugehen, wenn das Bleichgesicht mit den Bomben anrückt. Da lobe ich mir wieder die Titanic, die mit Allah'tar und fast, aber nur fast so großem Technologieaufwand eine richtig lustige Geschichte draus gemacht haben (gibt's leider nur in Print). Und das ist jetzt kein Plädoyer für Handkamera-Low-Budget-Lars-von-Trier-Kino (und keins dagegen). Es wär halt nur schön, wenn einer der populärsten Filme aller Zeiten nicht nur ein technologischer Meilenstein, sondern auch ein guter Film wäre.