Technology is our friend: Der Extrablatt-Junge ruft nicht mehr
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March 2, 2010

Der Extrablatt-Junge ruft nicht mehr

Hat jemand "State of Play" gesehen? Neben der Tatsache, dass es ein wirklich gut gemachter Thriller ist (Remake einer BBC Miniserie), thematisiert der Film nebenbei das Aufeinandertreffen von Online- und Offline-Journalismus. Oder anders gesagt: Spätestens beim (tollen) Abspann wird klar, dass es sich auch bei diesem Film eher um einen Abgesang auf eine sterbende Kulturtechnik handelt, bei der zwar Texte am Computer erstellt, dann aber Belichtungen produziert werden, Papier angekarrt werden muss, riesige Maschinen arbeiten, die das Papier bedrucken, welches im Anschluss geschnitten, sortiert, verpackt und mit LKWs durch die Gegend gefahren wird, in welcher wir wiederum zu vereinbarten Punkten (etwa Kiosks) gehen, um unser Stück dieses Papiers dann zu erwerben. Kein Wunder, dass die Nachricht, die dort steht, von uns schon x-fach gelesen, gehört, verlinkt, mit Bewegtbild angereichert wahrgenommen wurde:




Laut NYT Blog hat in den USA das Internet die Zeitung nun als Quelle von Nachrichten überholt. Zwar besorgen sich nur 2 Prozent aller Amerikaner ausschließlich via Internet ihre News, aber in den persönlichen News-Mixes - jeder benutzt immer mehrere Quellen - steht das Internet nun häufiger da als die gute alte Zeitung.


Und so lange wird das auch in Deutschland nicht mehr dauern. Das Modell, "tagesaktuelle" (auch das ist bereits ein antiquierter Begriff) Neuigkeiten auf Papier zu distribuieren, ist hoffnungslos veraltet. Die Menschen, die sagen, sie würden aber dann doch lieber Papier am Frühstückstisch haben, erinnern mich an genau jene Leute, die mir Mitte und Ende der 90er Jahre felsenfest versicherten, niemals ein Mobiltelefon zu benötigen, und heute mit dem Zweit-Blackberry facebooken und privat mit ihrem iphone angeben. Die Zukunft von Print mag im Magazinbereich noch ein wenig anhalten, und zwar in der Zusammenfassung, Aufbereitung, Nachbearbeitung und Einordnung von Geschehnissen während einer bestimmten zeitlichen Periode. Zwar wird auch das schon bald digital viel besser abbildbar sein, aber immerhin kommt dem Medium hier die Möglichkeit entgegen, die Aufmerksamkeit des am Rechner viel zu nervösen Nutzers auch mal für einen längeren Text an sich binden zu können. Der Tageszeitung können wir - wie immer mit ein wenig Verzug hinter den USA - allerdings jetzt bereits ein herzliches, vielleicht auch ein wenig sentimentales "Tschüss" sagen.