Technology is our friend: Warum ich das ipad auch meinen Eltern nicht schenke
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March 22, 2010

Warum ich das ipad auch meinen Eltern nicht schenke

Als das ipad angekündigt wurde, waren wir alle aufgeregt. Einige vielleicht ein wenig übertrieben, denn ähnlich wie bei einer WM-Gruppenauslosung Monate vor dem Turnier gibt es eigentlich keinen Grund, alles unbedingt in Echtzeit erfahren zu müssen (selbst SpiegelOnline bot einen Live Ticker an), aber die Hoffnung und Vorfreude auf ein tolles neues Gerät ließ uns eben keine Wahl.
Dann wurde das Gerät vorgestellt, und es wurde zwar deutlich, dass es gegenüber dem üblichen Stein durchaus Vorteile hat, aber nicht unbedingt der Bahnbrecher werden würde, den wir uns alle erhofft hatten (das Bild gibt's hier).
Schnell war klar, dass das Gerät wohl weniger etwas für Hardcore-Geeks als eher deren Eltern und Großeltern sein würde, und ich selbst dachte auch darüber nach, meinen Eltern, denen selbst die Handhabung einer Maus schwer fällt, das Gerät zu kaufen. Mittlerweile habe ich den Gedanken aber auch wieder verworfen. Immerhin habe ich durch das ipad überhaupt die Inspiration gehabt, dass es für meine Elterngeneration ein Tablet sein muss, und das ipad wird schönen, leistungsstarken Tablets anderer Marken und Systeme den Weg ebnen. So sehr beim ipad (und iphone...) die Auslegung auf Apps aber gerade für die Menschen, die nicht früher noch "http://" in den Browser tippen mussten, die Bedienungsfreundlichkeit steigert...
... so sehr nutzt Apple dieses Angebot von Bequemlichkeit aber mittlerweile für eine Geschäftspolitik aus, für die sich selbst das Microsoft der späten 90er geschämt hätte. Eine Anwendung nach der anderen wird ausgeschlossen, heute Google's Picasa. Mit der lustigen Begründung, dass Apple's iphoto viel besser sei. Es ist schon verwunderlich, dass es überhaupt eine App des Amazon Kindle geben wird. Wer also primär mit dem ipad ins Internet gehen wird, wie meine Eltern, wenn ich es ihnen schenken würde, wird wohl kaum über den Browser (und das ohne physische Tastatur) gehen - und sich damit in einer geschlossenen, von Apple kontrollierten Welt bewegen. Wo Zeitungsangebote rausgeworfen werden, wenn sie Apple nicht passen. Heute wegen des nackten Bild-Girls, morgen vielleicht wegen politischer Gesinnung oder nicht hinreichend positiver Apple-Reviews. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass die Titanic lange dabei bliebe, wenn sie eine entsprechende App jemals durch die Zugangskontrollen zum Store bekäme. Weil aber das Tolle am Internet die Freiheit, die Teilnahme aller ist - die Möglichkeit, zu wählen, die Offenheit für jedermann, Inhalte einzustellen, und die Möglichkeit für jedermann, jedermanns Inhalte auch aufzuspüren - werde ich meinen Eltern (und vielleicht auch mir) ein Tablet kaufen, das auf Android, Windows 7 oder sonstwas läuft. Als Anbieter von Diensten und Inhalten macht es durchaus Sinn, über ipad-Apps nachzudenken, aber spätestens beim Lesen der Vereinbarungen über die Apps müsste man bereits zurückziehen, weil man eine derartig einseitige Vereinbarung niemals guten Gewissens unterschreiben dürfte. Aber Apples System kann man bereits quantitativ schon nicht mehr ignorieren. Als Endkonsument ist mir allerdings die freie Wahl wichtiger, als beim neuesten Hype dabei zu sein. Und nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich schreibe das hier auf einem 24" Monster-Mac. Allerdings im Browser, im freien Internet.