Technology is our friend: ByeBye, MySpace Deutschland
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January 12, 2011

ByeBye, MySpace Deutschland

Jetzt, ein paar Jahre später, kann man es ja sagen. Vor 4 Jahren, als MySpace nach Umstellung auf die deutsche Sprache von knapp 2.000 neuen Profilen täglich (in Deutschland) auf 8.000 kam und sich entschied, ein deutsches Büro zu eröffnen, war ich nach dem Ende meiner Tätigkeit für die Deutsche Telekom ein Kandidat für die Leitung dessen, auf Vermittlung von 2 geschätzten Kollegen (you know who you are :-).
Ich wurde es nicht, und das zurecht, denn den deutschen MySpace-Chef seither, Joel Berger, kann man nur beglückwünschen zu der Entwicklung, die in den 4 Jahren erreicht wurde – und das meine ich vollkommen ernst und ohne jede Ironie. Schon damals hatte man Facebook, die irgendwo rund um die sechsstelligen Mitgliederzahlen lagen, auf dem Schirm, aber der eigentliche Wettbewerber wurde in StudiVZ gesehen – was nicht falsch war, wenn man den Geschäftszweck in der Einsammlung von Werbegeldern sah.


Die grundsätzlich schwierigere Haltung war diejenige, dass man sich mit dem Produkt mehr oder weniger „fertig“ wähnte und nun eben die Vermarktung in den Vordergrund stellen wollte. Ich kann mich gut erinnern, wie ich David Fisher, meinen Ansprechpartner inside, immer wieder mit meinem Strategiequatsch genervt habe – dabei wollte der eher hören, wie man Werbedollars reinholen würde und nicht, was man heute tun müsse, um auch 5 Jahre später Werbedollars zu haben. Beides hatte seine Berechtigung, und in puncto Werbedollars hätte ich nie das bewirken können, was MySpace Deutschland in den letzten Jahren geschafft hat. Gleichzeitig wäre es sicher nicht die Aufgabe der deutschen Niederlassung gewesen, die strategische Weiterentwicklung des Produktes zu betreiben. Insofern nochmal, um Missverständnisse auszuräumen: Ich war sicher nicht der richtige Mann, no hard feelings.  

Aber natürlich habe ich MySpace seither mit besonderem Augenmerk verfolgt ...
und eines sollte man als Learning festhalten: Man ist im Internet nie „fertig“ mit seinem Produkt. Nie. Wenn man sich ansieht, wie massiv Facebook ohne jeden ernsthaften kompetitiven Druck anderer Webseiten an neuen Funktionalitäten und an Weiterentwicklung arbeitet, kann man davon ausgehen, dass sie die Message verstanden haben:
Jeden Tag, an dem Du nichts an deinem Produkt machst, bastelt jemand anderes an Produkten, die besser, schlauer, toller sind. Es gibt so viele so smarte Leute da draussen, dass Du (mehr noch als in jeder materialgebundenen Industrie) gerade im Internet dauernd und ständig an deinem Produkt arbeiten, forschen und entwickeln musst.
„Milking the Cow“ muss sein, aber wer sich zu sehr darauf konzentriert, der läuft Gefahr, dass die Cow irgendwann nix mehr hergibt. Das ist aus meiner Sicht das, was man im Rückblick von MySpace seit dem Murdoch-Deal unbedingt lernen muss. Und das hat nichts, aber auch gar nichts mit der Performance des deutschen Teams zu tun, die jetzt (neben anderen) die Leidtragenden dessen sind. Schade.