Technology is our friend: Geistiges Eigentum ist relativ
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May 31, 2011

Geistiges Eigentum ist relativ

Wir, die banner-blinden, für nichts zahlenden und alles klauenden, kein Papier mehr kaufenden Nutzer, sind ja an allem schuld, insbesondere daran, dass es bald keine Zeitungen mehr gibt. So tragisch das sein mag, für viele einzelne exzellente Journalisten und für noch mehr (als erste abgebaute) Gehilfen in Verlagen, später dann für heute noch im Ritz Carlton schlafende Execs, so sehr hält sich mein Mitleid andererseits in Grenzen, wenn man sich das Online-Verhalten vieler Publikationen so ansieht. Genervt von als Apps getarnten PDF-Publikationen ohne jegliche Kommentier-, Interaktions- oder Sharingfunktion bin ich ja schon lange, aber wenn die, die sich besonders um Kopiererei und Piraterie kümmern, sich selbst auch aller nur erdenklichen Kopiermechanismen bedienen, wird es schon richtig unlustig. Beispiel?
Heute Nacht steht Spiel 1 der NBA Finals an, und in der medialen Vorbereitung habe ich die Reihenfolge meines Medienkonsums wirklich ungeschickt gewählt. Ich habe, von meinem Facebook-Newsfeed angestachelt, erst diesen Beitrag hier auf FIBA.com gelesen (der internationale Basketballverband, das Pendant zur FIFA im Fußball), und erst danach auf NBA.com die Zusammenschnitte der Interviews von den Pre-Game-Pressekonferenzen geschaut. nur um festzustellen, dass FIBA eigentlich nichts mehr als ein Transskript der Best-of-Aussagen dargeboten hat. Nun sind Pressekonferenzen dazu da, dass Journalisten etwas aufschreiben, also gut. Aber heute morgen bereits las ich im Kicker, der seit Nowitzkis unglaublicher Playoff-Performance seine offenbar lang verschüttete Basketball-Kompetenz neu entdeckt hat, den ultimativen Vergleich zwischen Dallas und Miami, Position für Position.




Ich muss zugeben, von der Aufstellung recht beeindruckt gewesen zu sein, auch wenn mir das Fazit ein bisschen zu platt und zu Nowitzki-optimistisch ausfiel.
Aber da ich aufgrund der oben angesprochenen Videos schon mal auf NBA.com war, fand ich beim wühlen einen Artikel von David Aldrige, einem Journalisten-Veteranen, der seit vielen Jahren über die NBA berichtet. Zufällig hat der exakt dieselben Match-Ups ausgearbeitet, kommt auf exakt dieselben Einzelergebnisse, nur sein Gesamtfazit fällt etwas weniger Dallas-freundlich aus. Wir reden hier nicht von gesammelten Spieler-Tweets oder Transkripten von einer Pressekonferenz, sondern von einem online veröffentlichten Artikel eines Basketball-Fachjournalisten, der gekürzt und übersetzt als Kicker-Artikel erscheint. Sollte der Kicker Mr. Aldridge irgendwie entlohnt haben - fein. Aus meiner Sicht hätte man dennoch die Quelle nennen können, die ich auch beim xten Durchsehen des Artikels nicht finde.





Addiert man die unzähligen TechCrunch- und Mashable-Übersetzungen der Spiegel Netzwelt, das Klauen der Heute-Show beim Postillon und einen Haufen anderer Fälle, so scheint es, dass die Sache mit dem geistigen Eigentum bei Online-Veröffentlichungen eigentlich nur da von Interesse ist - vornehmlich in Wutreden von CEOs - wenn es einem in den Kram passt. Jedenfalls scheint es häufig sehr entspannte Ansichten zu dem Thema zu geben, wenn es darum geht, schnell mal einen Artikel zusammenzuhämmern. Ich persönlich finde das ja nicht so schlimm, aber das Geweine über das böse Internet und seine fiesen nichts-bezahlenden Nutzer kann man sich dann auch sparen.