Technology is our friend: Warum der +1 Button kein „Big Deal“ ist
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June 3, 2011

Warum der +1 Button kein „Big Deal“ ist

Google hat vor kurzem den lang erwarteten „Plus1-Button“ eingeführt. Dieser gilt als eine Art Antwort auf den monströs erfolgreichen (s.u.) Like-Button von Facebook. Zwar ist er in Erscheinung und Art durchaus ähnlich, in meinen Augen aber sehr unterschiedlich in der Funktionsweise. Für Webseiten-Betreiber ist er dennoch auf seine Art nützlich (deswegen hat auch dieser Blog seinen „+1“-Button). Auf welche Art, soll hier kurz vorgestellt werden - angefangen mit Googles eigener Präsentation dieser Anwendung:

 

Oberflächlich betrachtet ist er dem Like-Button von Facebook sehr ähnlich. Dieser wurde laut Mashable ein Jahr nach seiner Einführung auf über 2,5 Millionen Webseiten außerhalb Facebooks integriert (darunter 80 der Top100 Webseiten in den USA), und Facebook kommunizierte zum Geburtstag die Zahl von 10.000 neuen Implementierungen - täglich.

Schauen wir uns zunächst an, was der Like-Button bewirkt, wenn er außerhalb Facebooks eingesetzt wird. Nehmen wir den gerade verlinkten Artikel zum Like-Button in Mashable. Klickt man dort „Like“, wird man aufgefordert, die Geschichte in Facebook zu teilen.

Selbst wenn man das aber nicht macht, erscheint im Newsfeed des „likenden“ Nutzers die Benachrichtigung darüber, dass ihm dieser Artikel gefällt. Einige meiner 700 Freunde bei Facebook sehen also in ihrem Newsfeed dieses hier:

Ich (erscheine dabei zwar passiv, aber dennoch:) teile also meinen Freunden in Facebook mit, dass mir dieser Artikel gefällt. Eingen dieser Freunde erscheint er zeitnah in ihrem Newsfeed. Darüber hinaus, das kann man auch ganz rechts oben in diesem Blog beobachten, sehen Besucher des Artikels, wie viele Menschen insgesamt hier „Gefällt mir“, also „Like“ geklickt haben. Und wenn eigene Facebook-Freunde dabei sind, werden einige von ihnen gesondert ausgewiesen.

Der Like-Button erfüllt also auf zweierlei Weise eine Empfehlungsfunktion:
  • Nah Echtzeit im Newsfeed von Facebook-Freunden
  • Bei Besuch einer Webseite als Indikator, ob etwas lesenswert oder besonders populär ist
Während die Nutzung des Like-Buttons innerhalb Facebooks noch weit vielschichtiger ist, so kann man die Motivation, außerhalb Facebooks auf einer anderen Webseite den Like-Button anzuklicken, also in der Empfehlung an Freunde sehen (kein Wunder, dass die „Zweitversion“ des Like-Buttons mit identischer Funktion „Empfehlen“ bzw. „Recommend“ heißt, zu sehen auch ganz oben in diesem Beitrag unter der Überschrift).

Google beschreibt den „Plus1“ ganz ähnlich: The +1 button is shorthand for "this is pretty cool" or "you should check this out." Als eingeloggter Google-Nutzer erscheint bei Rollover der Hinweis, dass man hiermit öffentlich eine Empfehlung ausspricht (und trotzdem sehe ich das nächste Privacy-Desaster auch schon am Horizont).

Allerdings passiert direkt ersichtlich beim Click des “+1” zunächst: Nichts. Außer, dass der Zähler umspringt (plus eins) und mir als Nutzer indiziert wird, dass ich den Artikel jetzt empfohlen habe, indem der Button sich dunkel verfärbt.

Weiterhin ist in meinem Google Profil eine Auflistung meiner +1 ersichtlich (die man auch auf nicht-öffentlich schalten kann. Mein Google Profil habe ich seinerzeit zum Ausprobieren des Über-Erfolgs „Google Buzz“ eingerichtet und es dürfte ungefähr 0,01 Besucher pro Halbjahr verzeichnen). 




Der einzige Ort, wo meine Empfehlung wirklich sichtbar wird (derzeit nur in der US-Version), ist dort, wo Google zuhause ist: In der Suche.



Weiterhin kann man jedes Suchergebnis direkt in der Auflistung von Links „+1“-en (neben jedem Link ist das Icon dafür angedeutet), womit der +1-Button eigentlich ein paar Milliarden Implementierungen täglich haben sollte, wenn man so will. Es kann also sein, dass man nach etwas sucht, und dann hervorgehobene Suchergebnisse findet mit dem Hinweis, welche Freunde (mit denen man via Google verbunden ist) diesen Link „+1-ed“ haben. 

Der +1 Button erfüllt seine Empfehlungsfunktion also auch auf zwei Arten:
  • In den Suchergebnissen von Freunden
  • Bei Besuch einer Webseite als Indikator, ob etwas lesenswert oder besonders populär ist
Während sich die Buttons also im zweiten Punkt ähneln, ist im ersten Punkt der zentrale Unterschied zwischen dem Like-Button und +1-Button sichtbar: Beide bestärken das, worin ihre Inhaber führend sind.

Facebooks Button erzeugt „unerwartete Relevanz“: 
Im Newsfeed meiner Freunde taucht nicht der Hinweis auf einen Artikel auf, weil sie danach suchen, sondern weil ich diesen Artikel mehr oder weniger aktiv empfehle. Und da es sich um Freunde handelt, ist die Wahrscheinlichkeit groß genug, dass es sich um eine relevante Empfehlung handelt. Auf diese Weise (so geht es mir zumindest in meinem Facebook-Newsfeed täglich) stößt man auf Inhalte, die relevant sind, nach denen man aber gar nicht gesucht hat und eventuell auch nie suchen würde.

Der +1-Button macht hingegen nur das, worin Google wiederum ohnehin schon führend ist: Er ergänzt die „erwartete Relevanz“ und hilft, schneller zu relevanten Ergebnissen zu kommen, wenn man etwas sucht. Wobei es aus meiner Sicht fraglich ist, wie sehr Nutzer motiviert sein werden, zu "+1"-en, wenn keine direkte Auswirkung sichtbar ist - und eventuell auch nie eintritt, wenn nämlich keine Freunde nach entsprechenden Dingen suchen. 

Anders gesagt: Der Like-Button ist Marketing und der +1-Button ist SEO.
Für Betreiber von Webseiten hingegen sind beide Empfehlungsformen Quellen von Traffic, und ich kenne keine größere Webseite mehr, die unter den zwei wichtigsten Traffic-Lieferanten nicht die Firmen Google und Facebook (zumeist – noch – in dieser Reihenfolge) auflistet. Deswegen habe auch ich hier im Blog einen +1 und bin mir auch sicher, dass dieser ebenfalls große Verbreitung finden wird - nur ist er in dieser Form eben alles andere als Googles großer Move in Richtung „social“, sondern bedient weiterhin nur eine, nämlich die Google'sche Logik des Auffindens von Inhalten: die gezielte Suche. Die ungefragte Empfehlung, in der Facebook der Großmeister ist, hat Google damit noch nicht einmal touchiert. Als "Antwort auf den Like-Button", wie er fast überall bezeichnet wird, taugt er aus meiner Sicht damit nur bedingt.