Technology is our friend: Tut mir leid, keine Gyros-Bude zu haben. Not.
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July 11, 2011

Tut mir leid, keine Gyros-Bude zu haben. Not.

Früher, da war alles einfach. Visitenkarte raus – Etatdirektor Werbeagentur, Vice President in einem New Economy-Monster und dann bei der Telekom. Das war noch respektabel. Jetzt, als Freiberufler, macht die Karte natürlich nichts mehr her. Und man würde wahrscheinlich als Geldspielautomaten-Aufsteller, Solarium-Betreiber oder Zuhälter mehr Anerkennung ernten als beim schnöden „Berater“. Und selbst dann, wenn die Leute sich vorstellen, dass man zu den Excel-Schiebern gehört, die das vegetarische Menü von der Kantinen-Speisekarte des Chemiekonzerns streichen, um Geld zu sparen, steht man besser da, als wenn man als Berater irgendwann „Internet“ oder – Gott bewahre – „Social Media“ erwähnt.

Gefühlt jeder vierte der frühen deutschen Posts bei Google+ und jeder 10te Blogpost allgemein macht sich über powerpointende Social Media-Berater lustig, und nachdem ich das heute auch noch von @wilddueck lesen durfte, wurde es mal Zeit für einen kleinen Rant hier. Ihr tut alle so, als wären Berater eine Krätze, die alles befällt, was am Web wahr, gut oder sinnvoll sein könnte. Die allgemeine Kritik mag sich ja gegen die richten, die immer nur sagen, „Social Media ist anders“ und „heute kommunizieren Konsumenten öffentlich“, man müsse „mit Kontrollverlust leben“ und „Beziehungen wirklich leben“, ohne zu sagen, was genau anders ist und wie das alles gehen soll. Gekauft. Wie in jeder Branche gibt es Trottel, Wichtigtuer und  Blender; der einzige Unterschied zu anderen Dienstleistungsbereichen ist, dass man den zertifizierten hier noch weniger trauen sollte als den selbsternannten Experten. Aber das ist kein Grund, jeden, der jemals mit einer Power Point Präsentation in einem Corporate Meeting aufgetaucht ist, als Dummschwätzer darzustellen. Man sollte doch ein wenig Vertrauen in den Markt haben: Wer dauerhaft nur Müll anbietet, wird halt nicht lange Erfolg haben. Aber solange eine Welt Kompakt einen Tag nach der Beta-Öffnung von Google+ auf der Internet-Doppelseite mit der Topstory „Achtung Facebook! Ning kommt.“ aufmacht, wird man selbst die ganz miesen Social Media Berater noch brauchen.
Es war ein "Public" Post, also darf's hier auch "Public" rein

Ich selbst sehe mich ja als Berater, dessen Spezialgebiet die Digitalisierung der Welt ist. Das verändert teilweise ganze Industrien, teilweise Geschäftsmodelle und langfristige Strategien und mehr als teilweise die Art, wie kommuniziert wird. Und da fällt Social Media natürlich auch rein, und zwar seit ein paar Jahren ganz massiv. Auch wenn ich glaube, dass die wenigsten Leute wirklich durchblicken, was Facebook eigentlich alles verändert und bewirkt, so hat – wie bei der Aufstellung der Nationalelf – jeder eine Expertenmeinung, der es schafft, sich einen Account einzurichten. Zwar ist Social Media mit Sicherheit nicht das einzige, womit sich Unternehmen derzeit beschäftigen (müssen), aber ein Bereich, in dem viele Unternehmen Hilfe brauchen. Und nun muss ich es mal loswerden:
Ich habe keinen Bock, mich zu schämen, dass ich diese Hilfe leisten kann.
Ich würde mir zwar nie „Social Media Berater“ auf die Karte und erst Recht kein Buch „Building Successful Social Media Relations“ schreiben – aber nicht, weil alle immer nur darüber lästern, sondern weil es aus meiner persönlichen Sicht, Expertise und Interessenslage zu kurz greift, sich ausschließlich darauf zu konzentrieren. Aber es ist mir auch zu einfach, wenn alle immer auf den Leuten rumhacken, die denen unter den 60 Millionen Deutschen, die eben nicht bei Facebook und erst recht nicht in Google+, dafür aber in dicken Management-Positionen sind, erklären müssen, wie und warum das alles Sinn machen kann. Ich werde euch jedenfalls nicht anlügen und auf einer Party behaupten, eine Gyros-Bude zu betreiben oder Klempner zu sein, nur um bessere Chancen bei den Mädels zu haben.