Technology is our friend: February 2012
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February 28, 2012

February 27, 2012

Und SpOn reiht sich wieder mal ein...

... in die teilweise absurde, teilweise von Unkenntnis und trendhafter Ablehnung gezeichnete Facebook-Berichterstattung. In diesem Fall durch Eli Pariser, der wohl sein Buch "Filter Bubble" noch einmal pushen musste. Long story short: Nach diesem SpOn Artikel filtert Facebook die Inhalte unserer individuellen Newsfeeds vornehmlich via "Like" bzw. "Gefällt mir", und das sei entgegen anderer Möglichkeiten ("Ist wichtig", "empfehle ich", "drüber nachdenken") des Feedbacks derart weichgespült, dass unsere Newsfeeds auf einmal nur weichgespülte, entpolitisierte Inhalte zeigen würden. Wir würden daher "entmündigt".

Aber sind nicht die am Erscheinungstag bis 15:30 über 1000 Empfehlungen via Twitter und FB (siehe Bild), die auf eben diesen Artikel verweisen, schon Gegenbeweis genug dafür, dass in unseren Newsfeeds nicht nur "heile Welt" passiert? Ich empfehle dem Autor, die Seiten, denen er bei FB folgt bzw seine FB-Freunde zu überdenken. Es ist wie im wahren Leben: hast du Freunde/Beziehungen zu Menschen, die wach durchs Leben gehen, kriegst du nicht nur mit, wer Dschungelkönig geworden ist, sondern führst auch Austausch über sinnvolle Dinge. Wenn nicht, hilft dir auch FB nicht.
Und SpiegelOnline empfehle ich, die Netzwelt zwar vom TechCrunch/Mashable-Übersetzungsdienst wegzuentwickeln, aber bitte nicht in Richtung "ungeprüfte Facebook-Warnungen".
Dass nämlich der sogenannte "Edge Rank" nur an "Gefällt mir"/"Like" hängen würde bzw demnach auf "Gefälliges" verweisen und dieses bevorzugen würde, ist schlicht Quatsch. Wer das nicht glaubt, sollte das (sehr empfehlenswerte) Buch des Google-Engineers Wael Ghonim über die #Jan25-Revolution in Ägypten lesen. Das Foto des schlimm zugerichteten Gesichtes des ermordeten Bloggers Khaled Said, verbreitet über Facebook, war der Stein des Anstoßes. Und das Bild ist alles andere als "Gefällt mir" (wer auf den verlinkten Namen klickt, kann das Bild bei Wikipedia sehen - aber Vorsicht, nur für starke Nerven).
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February 5, 2012

Feature: Über-Connectivity

Ich bin nicht gerade der größte Fan von Robert Scoble, weil er mir zu oft emotional und wenig analytisch argumentiert. Nur weil sein Google+ Account offenbar steilgeht, erklärt er etwa das offene Web insbesondere gegen meinen persönlichen Web-Guru John Batelle für totgeweiht. Trotzdem muss man ja zugeben, dass sein Wort Gewicht hat, also lohnt es sich auch, mal reinzulesen. Vor ein paar Tagen postulierte er in einem Artikel (der später auch auf der geschätzten Seite paidcontent.org erschien), dass in 2012 die „Tech Innovation“ eine Auszeit nehmen wird. Da es mir eher so erscheint, als wäre 2011, zumindest was die schwer disruptiven Sachen angeht, schon eine Auszeit gewesen, macht es schon Sinn, sich über die möglichen „big things“ oder deren Ausbleiben in diesem Jahr den Kopf zu zerbrechen. Was Social Networking angeht, habe ich meinen Favoriten „Path“ ja schon hinreichend beschrieben. Und abseits von den ohnehin unverhersagbaren Startups - was ist mit den Schwergewichten?
Von Apple werden für dieses Jahr nichts weniger als ein iPhone5, ein iPad3 oder sogar auch 4 und eventuell noch ein Fernsehgerät erwartet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die größte Innovation dabei auf dem Niveau eines Chatbots mit Spracherkennung und –ausgabe bewegen soll. Außerdem leben wir in einer Zeit, in der offenbar täglich mehr iPhones verkauft als Kinder geboren werden. Reichweite verpflichtet.
Über Windows8 wissen wir nicht zu viel, aber zumindest, dass es wohl Tablets und PCs gleichermaßen bedienen soll, und Kinect hat ja noch nicht einmal richtig angefangen, außerhalb der Xbox Relevanz zu erhalten. Steve Ballmers Keynote auf der CES war wirklich interessant (ab 1:50 gibt es Neuigkeiten).
Google hat bereits im Mai 2011 Android@home angekündigt, aber seither nicht viel delivered – ob das in 2012 so bleibt? Und ob sie zusehen werden, wie weiter andere versuchen, endlich den TV Screen zu revolutionieren? Es gibt ja schon jetzt kistenweise handgestrickte Android-TV-Lösungen zu kaufen, neben dem hochoffiziellen Google TV, das vielleicht auch nicht auf dem Status „kein Content und Astronauten-Fernbedienung“ bleibt.

All diese Gedanken sprechen in meinen Augen dafür, dass wir in 2012 vielleicht doch die eine oder andere ganz große Innovation sehen werden - und mindestens erleben werden, wie bestimmte Trends ihren Durchbruch erlangen. "Über-Connectivity" ist für mich so ein Kandidat.
Dass die ersten Unternehmen, die einem als "Schwergewichte" zu möglichen großen Innovationen einfallen, diejenigen sind, die auf den derzeit so genannten "mobilen Betriebssystemen" hocken, ist kein Zufall: bereits jetzt entwickeln diese sich zu universellen Frameworks, die nahezu jedes heute noch allein verkaufte Gerät mittels App "erweitern" oder verbessern können. Unsere iPhones, iPads, Galaxys oder Lumias können mittlerweile recht leicht in Kombination mit anderen Produkten eine umfassende Lösung aus Hardware, Software und Service anbieten - und das ist in meinen Augen einer der ganz großen Trends, der in der ganzen Betriebssystem-Manie nicht wirklich gewürdigt wird. Hinweise?

Nike experimentiert seit längerem mit einer digitalen Erweiterung seiner Produkte. So langsam nimmt die Sache Fahrt auf, denn Nike fühlt sich nun weit genug, auch abseits der Fitness-Nerds und Triathleten mit ähnlichen Produkten zu kommen. Das „Fuelband“, eine Armband plus App-Kombination, spricht jedenfalls dafür (das Video kann man sich hier ansehen).
Das Versprechen ist simpel: Das Band sammelt all deine Bewegungen und übersetzt sie in eine gemeinsame Währung. Der Gang zwischen Meetingräumen wird also genauso gezählt wie das Jogging am Morgen oder Boule-spielen im Park. Dank App hat man seine persönlichen Statistiken zur Hand, kann sich Ziele setzen und die eigene Fitness besser managen und mit anderen vergleichen. Allein die Tatsache, dass das Video auf Youtube wohl in Kürze 1 Mio. Views erreicht haben wird, lässt sich zumindest als Indikator für ein gewisses Interesse im Markt verstehen, und einige sehen schon eine von Nike angeführte „mobile health revolution“  auf uns zukommen. Auch wenn ähnliche Ideen wie Jawbones „Up“ nicht wirklich zu funktionieren scheinen (Amazon Rezensionen), so wird das schon einer in den Griff kriegen, und 2012 ist ein wahrscheinliches Datum dafür.
Keine Überraschung, dass auch Adidas etwas ähnliches im Köcher hat. Hier steht die Social-Komponente mit prominenten Facebook-und Twitter-Logos im Vordergrund: Die erfassten digitalen Daten kann man teilen, um sich mit Freunden zu vergleichen oder diese zum Wettkampf herauszufordern.
Etwas tiefer als Nike und Adidas geht dabei Bodymedia. Die Werbung dafür spricht Bände. Slogans wie „Goodbye guesswork, hello weight loss“ zielen darauf, dass digital erfasste Daten nun einmal mehr Wissen mitbringen und dieses eine gute Grundlage für Entscheidungen darstellt – und gleichzeitig, siehe Screenshot, betonen sie auch hier das integrierte „Facebook Sharing“ – nicht nur wir können unser Wissen erweitern, wir können es sogar mit dem Rest der Welt teilen.
Es wird also nicht dauern, bis wir auch Durchschnittswerte unserer Peer Groups zur richtigen Einordnung unserer Werte haben, die wir mittels Armbändern oder anderen Sensoren in iPhone-, Android- oder Windows-Apps erfassen. „Körpernahe“ Hardware scheint der aktuell am meisten florierende Bereich zu sein – ich selbst kenne mindestens 3 verschiedene Leute, die übrigens auf den unterschiedlichsten Nerd-Levels angesiedelt sind, die eine Withings Waage benutzen.

Dieses Ding liefert alle Messwerte direkt an eine iOS App, in der man dann over time die wunderbarsten Graphen über die Entwicklung seines eigenen Gewichtes, seiner Körperfettwerte usw. zur Verfügung hat. Von derselben Marke gibt es auch ein Blutdruckmessgerät, das im Grunde das Gleiche macht – und wer seinem Arzt nicht sein iPhone oder iPad unter die Nase halten will mit den Werten der letzten Wochen oder Monate, kann seine Daten auch gleich mit dem Microsoft Health Vault synchronisieren.

Sanofi bietet seit längerem mit dem BGStar ein Stand-Alone-Gerät, aber eben auch einen Dongle an, den man an das iphone anschließen kann, und das dann alle für einen Diabetiker wichtigen Werte in einer App erfasst.

Wir erhalten so einen Vorgeschmack auf das, wie eine wahrhaft vernetzte Welt mit einem "Internet der Dinge" aussehen kann. Und unsere persönlichen Geräte – heute als "mobil" bezeichnete Devices – stehen dabei mehr im Vordergrund als jeder PC. Und wenn man sagt, dass das alles so einfach wie im Schlaf gehen müsste, landet man schnell hier: Beim Sleep Manager von zeo.
Ich kann mir zwar nicht vorstellen, 26 verschiedene Armbänder zu tragen, die alle irgendwas tracken, aber das zeigt ja nur, dass wir am Anfang einer Entwicklung stehen. Dieses Band hier bindet man sich zum Beispiel um den Schädel, und sowohl auf Android als auch auf iOS wird erfasst, wie gut, wie tief, wie fest und wie lange man geschlafen hat.

Produkte, die man früher nicht wirtschaftlich hätte vermarkten können, weil eigenes Display, CPU, Speicher etc. den Preis in die Höhe getrieben hätten, können den Großteil dieser Leistungen heute an unsere Smartphones, Tablets und PCs "auslagern". So können aus ehemals "dumpfen", da nicht connecteten Geräten jetzt intelligent vernetzte Hardware/Software/Service-Lösungen werden.

Und wenn wir allerlei Geräte an uns tragen, sollten wir unseren Haustieren den Spaß nicht nehmen. Die Lösung von Greengoose besteht aus kabellosen Sensoren, die wir an fast alles kleben können – zum Beispiel an die Katze, den Hund oder das Kaninchen.
Die Anwendungsfälle sind unendlich, und so ist es kein Zufall, dass wir es hier auch gleich mit einer API für Developer zu tun bekommen.

All diese Anwendungen, die nach einer gigantischen Optimierungsmaschinerie aussehen, werden von findigen Entwicklern ja vielleicht auch in eine gigantische Spaßmaschinerie verwandelt – wer eine Viertelstunde brainstormt, dem kommen auf die Schnelle ein Haufen Ideen, was man damit alles anstellen könnte. Außerdem dürfte nur mit Effizienz-Versprechen die App-optimierte Vibratorsteuerung von "Oh my bod" auch nicht ganz so leicht zu vermarkten sein.
Nahezu alles, was irgendwie als elektronisch steuerbare Gerätschaft vorstellbar ist, lässt sich mit Apps erweitern, steuern, erfassen, optimieren oder verbessern. Oder alles gleichzeitig. Außerdem werden damit unsere persönlichen Geräte - auch heute noch oft als "Telefone" missverstanden - immer multifunktionaler. Entweder nur auf Software basierend, oder durch spezifische Hardware erweitert. Wer zum Beispiel kein extra Oszilloskop kaufen will, kann auch sein iPad zu einem umfunktionieren.


Durchaus mit dieser Gesamtentwicklung verwandt, erschien in meinem Facebook Newsfeed aus der Ecke von Köln  dieses wunderbare Gerät hier: der Twine.

Twine - Listen to your world, talk to the Internet from Supermechanical on Vimeo.

Das ist eine Art Universalsensor, der Temperatur, Vibration, Feuchtigkeit, Beschleunigung und viele andere Sachen messen kann, von einer Batterie betrieben wird (und eine Email schickt, wenn die sich dem Ende zuneigt) und mit dem Internet verbunden ist. Nach dem reinen WENN-DANN Prinzip kann man es so konfigurieren, dass es twittert, eine Email oder SMS verschickt, wenn der Sensor etwas zuvor eingestelltes erfasst. Etwa „wenn Temperatur unter 5 Grad Celsius, dann Email und SMS“. So erfrieren draußen in der Voliere die Vögel nicht. Die Möglichkeiten sind endlos. Besonders spannend: Er ist mit dem Internet verbunden, cloudbasiert, ohne über ein mobiles Betriebssystem gesteuert werden zu müssen - wir reden hier von einer "Web-App". Es wird also auch eine Welt außerhalb der großen OS geben, und aus meiner Sicht ist das in einer gewissen Form beruhigend.

Aber grundsätzlich zeichnet sich ab, dass mehr als das, was wir uns heute unter absoluter Vernetzung von allem und jedem vorstellen können, schon in naher Zukunft passieren wird. Aber damit Vernetzung möglich ist, braucht es einen gemeinsamen Bezugsrahmen – Systeme, die einen Austausch ermöglichen. Ähnlich, wie Facebook mit seinem Open Graph in meinen Augen einen solchen Bezugsrahmen schafft, eben aus einer „social“-Perspektive, die sinnvollerweise weitgehend Plattform-agnostisch ist, werden es aus einer technischen Perspektive zumeist die „mobile OS“, also iOS, Android und wohl auch Windows sein, die eine Vernetzung ermöglichen. Die bringen nicht nur die technischen Möglichkeiten mit, sondern vor allem auch die Reichweite von hunderten Millionen von Nutzern – die dank direkter Kundenbeziehung unmittelbar und mit Rückkanal vom Betriebssystem adressiert, angesprochen und zum Beispiel auch abgerechnet werden können. Das Szenario liegt auf der Hand: Die heute noch „mobilen“ Operating Systems werden universelle Bezugsrahmen für Datenerfassung und –austausch, sowohl für den Kunden, als auch für den Anbieter - der mittels App-Nutzung feststellen kann, wie oft und intensiv etwa sein Gerät oder Service verwendet wird. Das kann ganze Geschäftsmodelle auf den Kopf stellen. Es ist denkbar, Geräte aller Art zu subventionieren, und den Kunden dann anhand von Nutzung abzurechnen - die "mobilen" Betriebssysteme geben das technologisch jedenfalls sicher her.

Unsere persönliche Hardware, also Smartphones und Tablets, werden Alleskönner und zentrale Drehscheiben unseres persönlichen Datenmanagements. Außer im Spezialfall Apple wird die Hardware, auf denen diese OS laufen, dafür aber auch zunehmend egal und auf das Minimum an Marge gedrückt: Vernetzung, Apps und Anwendungen sowie angeschlossene Spezial-Hardware werden die Bereiche, in denen zukünftig einträgliche Spannen erzielbar sein werden - und zwar auch für Unternehmen, die derzeit völlig "undigitalisierte" Produkte anbieten. Die Telkos werden dabei zu reinen Datenfluss-Providern reduziert, der Kunde gewinnt immer mehr Transparenz in allen Lebensbereichen und der wahrhaftige, messbare Nutzen von Produkten und Dienstleistungen rückt immer mehr in den Vordergrund.

Das alles wird ganz sicher nicht 2012 passieren – aber um auf den anfänglichen Artikel vom Scobleizer zu kommen: Ich glaube nicht, dass sich die technologische Innovation im laufenden Jahr eine Pause nehmen wird. "Über-Connectivity" könnte ein Trend sein, der in 2012 richtig Fahrt aufnimmt.
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