An ein paar Stellen wäre sofortiges Wegsperren der Verantwortlichen vielleicht doch eine Option .-)
Mar 28, 2012
Nachtrag
... wenn schon die Rede von Urheberrecht und Co war:
An ein paar Stellen wäre sofortiges Wegsperren der Verantwortlichen vielleicht doch eine Option .-)
An ein paar Stellen wäre sofortiges Wegsperren der Verantwortlichen vielleicht doch eine Option .-)
Mar 24, 2012
Mar 23, 2012
Regener: Der alte Mann und das Internet
edit 24.3.: Bevor es mich noch mehr Karmapunkte und Erklärungszeit kostet: Ja, polemisch. Ja, mindestens so rant-ig wie die Ursache des Artikels. Ja, viele Argumente schon hundert mal woanders gelesen. Ich versuche mal, es so zusammenzufassen: Wer
Piraterie oder Umsonst-Mentalität, fehlenden Anstand und mangelnden Respekt für
das zentrale Problem der Musikindustrie hält, und den Eindruck habe ich bei Regener,
liegt mE falsch. Das zentrale Thema ist, dass trotz mehr Musikkonsum weniger
Geld im Markt ist – und das wäre auch ohne Piraterie so. Ich kritisiere nicht,
dass [Urheber] Geld für seine Leistung verdient und zu recht haben will. Ich
kritisiere die Meinung, dass das Geldvolumen im Markt primär wegen illegaler Kopien
zusammenschrumpfen würde – das ist maximal ein Beschleuniger. Das monetäre
Potenzial schrumpft, weil die Herstellungs- und Vertriebskosten im Vergleich zu
physischen Tonträgern nichtig geworden sind und es sich aufgrund anderer
Modelle (Werbeeinnahmen, 50 Konzerte im Jahr, werbe- oder gebührenfinanzierte Radioshows,
Produktbeigaben usw.) für einige Marktteilnehmer (selbst außerhalb der Musik)
lohnt, Musik umsonst wegzugeben. Deshalb verfällt zwar nicht der Wert, aber der
monetäre Preis von Musik. Man (Regener) macht es sich daher mE zu einfach, für
diese Entwicklung nur Umsonst-Mentalität, Raubkopierer, Youtube und Google
verantwortlich zu machen.
Mein Newsfeed quoll gestern über vor überschwänglichen
Postings über Regeners Spontan-Rant zum Urheberrecht. Mich wunderte nicht, dass
dieser Beitrag so häufig geteilt wurde. Mich wunderte eher die vorbehaltlose und
fast euphorische Zustimmung, auch und gerade von Leuten, bei denen ich dachte,
dass sie es besser wissen müssten. Um es mal vorweg zu sagen: An vielen Stellen
hat Regener recht. Wenn man ihm vorwirft, dass er uncool sei, weil er seine
Musik nicht verschenken will, dann ist das Quatsch. Wenn man jemandem vorwirft,
er sei eine Nutte, weil er Musik für Geld machen würde, dann ist man ein Idiot.
Wenn er sich von solchen Leuten (O-Ton) „ins Gesicht gepinkelt“ fühlt, dann ist
das a) tragisch und b) rechtens. Das heißt aber noch lange nicht, dass diese
Idioten die Ursache für das sind, was Regener beklagt.
Abgesehen von der peinlichen „Wir Indie-Rocker“ und „Ich
weiss, was Rock’n‘Roll ist und ihn ausmacht“-Haltung wirkt Regener in dieser
Stellungnahme alt. Uralt. Mir ist egal, wann er geboren wurde, und vielleicht
ist er sogar jünger als ich. Aber er spricht wie jemand, für den früher alles
besser war, und das tun seit Menschengedenken all die, die geistig alt werden,
und zwar schon lange, bevor es das Internet gab (wer Lust, kann ja mal „Sokrates
Zitat Jugend von heute“ googeln). Regener malt das Bild, das sie alle malen: Musiker
verdienen kein Geld mehr, weil man ihre Musik klauen würde. Das ist sicher
nicht ganz falsch, aber mindestens auch ebenso sicher nicht ganz richtig. Aus
dem Umfeld eines deutschen Rappers wurde mir erzählt, dass einer seiner „Hits“,
der bei Youtube weit über 4 Millionen Views hat, weniger als 30.000 bezahlte Downloads
erzielte. Das ist deprimierend, wenn man bedenkt, dass man je Download max. 1
Euro bekommt und davon noch viele andere neben dem Künstler verdienen müssen. Davon
auszugehen, dass, wenn es Youtube und Tauschbörsen nicht gäbe, man mindestens
500.000 Downloads verkauft hätte – wo es doch so ein populäres Stück ist –
wirkt aber ebenfalls deprimierend, und zwar für alle, die an die Intelligenz
des Menschen glauben.
Man kann unmöglich auf alle Punkte von Regener eingehen,
ohne ein Spontanbuch zu schreiben, aber zu ein paar Highlights muss ich mich
unbedingt äußern:
Der
Supermarktvergleich
Natürlich ist es eine Frage des Anstands,
ob man Musik klaut oder nicht. Der Supermarktvergleich von Regener – man müsste
die Haltung haben, auch dort nicht zu klauen, selbst wenn es sicher wäre, dass
man nicht erwischt würde – zeigt, dass er nicht nur nicht verstanden hat, dass
das Klauen von Musik nur ein (vielleicht sogar sehr kleiner) Teil des Übels ist,
das ihn plagt, sondern zeigt auch, dass er noch immer in der komplett analogen
Welt festklebt. Ähnlich wie die Filmindustrie, die mir mit jeder anständig bezahlten
DVD erst einmal erzählt, dass ich doch hoffentlich kein Autodieb wäre, hat er
den Unterschied zwischen dem Entwenden physischen Materials und der
verlustfreien digitalen Kopie nicht verstanden. Wer physisches Material klaut,
der nimmt es jemand weg. Der Schokoriegel, den ich aus dem Supermarkt mitnehme,
ist danach nicht mehr da. Das Musikstück, das ich kopiere, hingegen schon. Es
ist dann eben doppelt da. Das ist mit Sicherheit keine Legitimation fürs
Klauen. Aber es ist ein bei klarem Geist nicht abzustreitendes Argument dafür,
solche hanebüchenen Vergleiche zu unterlassen. „I wouldn’t steal a car, but I’d
download one if i could“ war eine genauso behämmerte wie beliebte Replik auf
diese eben auch behämmerte Analogie. Dass Regener auch viele Jahre später von dieser
Denke nicht runterkommt, ist beschämend. Abgesehen davon hätte jeder, der Musik
wie eine physische Ware behandelt, wie ein Buch oder eine Schallplatte, ein
T-Shirt oder einen Toaster, gegen den Handel mit gebrauchten mp3s keine
Argumente. Think, Regener, think!
„Umsonst“
ist kein Geschäftsmodell
Hier hat Regener uneingeschränkt recht.
Allerdings sollte man, wenn man von Geschäftsmodellen redet, auch ein wenig
über solche nachdenken. Das Geschäftsmodell, das auf Zwangsbundling von Liedern
(in Alben) basiert, bei dem Konsumenten bezahlen für das Binden an physisches
Material, den Transport, die Lagerung, den Regalplatz und den Verkauf des
Tonträgers in Läden oder den Versand per Post, ist kaputt und dem Untergang
geweiht. Und damit genauso wenig ein Geschäftsmodell wie „umsonst“. Das ist für
all jene, die damit ihr Geld verdienten – zu weiten Teilen die von Regener
gepriesenen Plattenfirmen – wirklich tragisch. Es ist auch für Minolta
tragisch, dass alle Menschen Digitalkameras kaufen. Es ist auch für Kodak oder
Polaroid tragisch, dass keiner mehr Filme braucht. Und es ist für TDK tragisch,
dass keiner Videokassetten und andere Magnetbänder verwendet. Die Produkte sind
ausgestorben, ohne dass jemand in großem Stil Disketten, Festplatten oder
Digitalkameras geklaut hätte. An die Stelle der alten Waren und
Dienstleistungen treten neue, die vielleicht weniger Geld einbringen oder
riesige Marktteilnehmer Pleite gehen lassen. Manchmal verschieben sich auch
ganze Wertschöpfungsketten derart, dass eine Ware oder Dienstleistung, die
früher Geld kostete oder sogar der Margenbringer war, nun umsonst ist oder eben
kaum noch Marge bringt. So etwas passiert auch mit der Musik, und so, wie es
für mich aussieht, verschiebt sich die Marge bei Musikern zur Live-Performance,
während Musik als Datei nur wenig mehr als die Promotion dafür ist – früher war
es so, dass Konzerte oder Auftritte mehr oder weniger Promotion für
Materialverkäufe waren. Das kann man beklagen. Aber zu denken, daran sei alleine
„Musikpiraterie“ schuld, ist mindestens naiv.
Die
Musiklandschaft
Zu Haarprobe-Daum-artigem
Realitätsverlust kommt es dort, wo Regener deliriös den Rock’n’Roll vertritt
und von der Musiklandschaft faselt, die ohne Plattenfirmen nur noch Volksmusik
und Rock zulässt. Dieses Bild kann nur jemand haben, der es über 24stündigen
ZDF-Konsum ausbildet. Dieselbe Technologie, die den verlustfreien Vertrieb in
Echtzeit (und ja, auch das Kopieren und Klauen) von Musik ermöglicht, hat
vielen Künstlern, die jetzt Regener eine Statue bauen wollen, überhaupt erst
ermöglicht, solche zu werden. Durch die Digitalisierung haben sich die
Produktionsmittel und Vertriebswege demokratisiert. Ein Studio, das früher nur an
Hardware mehrere hunderttausend Euro kostete, gibt es heute in Kombination von
Hardware und Software für wenige tausend Euro. Und nicht wenige der DJs und
Produzenten, die jetzt ein Urheberrecht von 1850 wollen, haben ihre Karrieren
auf geklauten Ableton- und Reason-Versionen begonnen – oder mindestens mal
einen Monat-Trial-Vollversionen davon genutzt, die auch nichts anderes als die
Geburt neuer Geschäftsmodelle sind. Und sich dann, wie sich das gehört, eben legale
Kopien gekauft. Aber für 1000 Euro. Nicht 200.000. Das wäre nämlich nur mit
Miete eines Studios und zwar von der Gnade einer Plattenfirma gegangen, und ein
überwiegender Teil derer, die heute von Musik und insbesondere eben Auftritten
leben können, hätten brav Lehramt studiert oder ihre Zahntechniker-Ausbildung
beendet, anstatt einem A+R in die Hände zu fallen. Für Regener, der sich
noch „damals“ durchgesetzt hat, als nur ganz wenige ein heiliges Studio nutzen
durften und es nicht mit zwei Keyboards und drei Rechnern im Arbeitszimmer aufstellen
konnten, ist das natürlich besonders deprimierend, wenn jetzt jeder Hinz und
Kunz professionell klingende Musik machen kann. Aber daraus darauf zu
schließen, die Musiklandschaft sei einfältiger geworden, ist vollkommen absurd.
Jeder, der Musik liebt, muss die Vielfalt, die Verfügbarkeit unterschiedlichster
Musik, die Befreiung vom Diktat von MTV, FormelEins und Radiostationen
begrüßen. Wie viel Talent ist in den 70ern, 80ern und 90ern einfach
verschwunden, ohne dass wir je etwas davon mitbekommen hätten? Ich weiß es
nicht. Ich weiß nur: weit mehr – also dramatisch weit mehr - als heutzutage.
Youtube
Jetzt merkt man, wie alt Regener ist –
und wie sich die Zeiten in etwas mehr als einem Jahrzehnt auf den Kopf gestellt
haben. Ignorierte die Musikindustrie in dunklen Limos sitzend die
Internet-Heinis in den 90ern noch, ist es jetzt so weit, dass ein Typ
meint, uns erklären zu müssen, dass Google ein milliardenschwerer Konzern sei und
viel reicher als die armen kleinen Plattenfirmen. Das stimmt und ist in seiner
Dramatik, vor allem eben in der Geschwindigkeit, mit der das passiert ist,
natürlich beeindruckend. Sich darüber zu beklagen, dass Youtube nichts zu
bieten hätte, außer Inhalte, die jemand dort einstellt, zeigt, dass Regener vom
Internet ungefähr so viel versteht wie ich seiner Meinung nach wohl von
Rock‘n’Roll und dem, was coole Indie-Rocker ausmachen würde: nichts. Das ganze
Internet hat nichts zu bieten außer das, was jemand einstellt. That’s the whole
point, Regener!
Deswegen ist es so toll, und deswegen
ist Youtube so toll. Natürlich soll niemand gezwungen sein, seine Songs oder Videos
bei Youtube einzustellen. Natürlich sollte jeder selbst entscheiden, ob er die
Sachen dort eingestellt wissen will oder nicht. Und natürlich ist es legitim,
von Google Geld für professionelle Inhalte zu verlangen. Aber es ist eben
genauso legitim, wenn Google sagt: Bei dem Preis eben nicht. Denn was Regener
ärgert, ist ja offensichtlich nicht, dass unschuldige junge Leute sich zu
Lobbyisten eines Riesenkonzerns machen, sondern dass auf element-of-crime.de 12
Leute seine Videos schauen, während es auf Youtube 1 Million wären. Auch das
kann man beklagen, wie man eine Krankheit oder ein Unwetter beklagen kann. Nur
Schuldzuweisungen sind fehl am Platz. Man kann versuchen, seine
Geschäftsmodelle auf eine andere Medienlandschaft anzupassen. Viele
Basketball-Ligen in Europa bezahlen (!) zum Beispiel TV-Stationen dafür, ihre
Spiele zu übertragen, während die Fußballer hunderte Millionen Euro pro Saison
bekommen. Das ist unendlich fies und schlimm, aber wenn ich einen englischen
Basketballspieler sähe, der darüber weint, weil er doch viel öfter und härter
trainieren und spielen würde als ein Fußballer, würde ich ihn auch auslachen.
Wann hat Regener das letzte Mal 8 Stunden Iron Man auf Eurosport17 geschaut?
Mit Werbung? Weil der Sportler das nicht als „exzentrisches Hobby“, sondern als
Beruf ausüben WILL? Das ist ein Markt, Baby, und ich verstehe, dass Regener
kein Straßenmusikant sein will. Nur geht es nicht um Willen, sonst wäre ich
auch Trilliardär. Die Basketball-Ligen, die Fernsehsender für Präsenz bezahlen,
tun das, weil die Vereine auf diese Weise für Sponsoren attraktiver werden. Sie
passen ihr Geschäftsmodell an. Es ist Googles Pflicht, Videos zu entfernen, die
ohne Rechte eingestellt werden. Das tun sie mittlerweile sehr zuverlässig. Es
ist nicht Googles Pflicht, sich Regeners Kopf zu zerbrechen. Das muss er schon
selbst. Er muss sich keine Vorwürfe machen lassen, wenn er seine Videos nicht
bei Youtube sehen will. Aber er muss damit leben, dass User dort andere Bands
entdecken, die sie vielleicht sogar ein bisschen noch geiler finden als Element
of Crime.
Die
Piratenpartei
Ich wüsste gern den Punkt in dem Progamm
der Piraten, wo „freie Downloads für alle“, „tretet Künstlern in den fetten
Arsch“ und „wir verachten Indie-Rocker“ steht. Spätestens hier klingt er so,
wie ich mir Franz-Josef-Strauss vorstelle, wenn er nachts im Bett über die
Grünen oder deren Anfänge sinnierte.
Urheberrecht ist eben nicht nur Musik, Literatur und Film. Es ist auch
wissenschaftliche Arbeit, Software und Patente und noch viel mehr. Wer glaubt,
wir bräuchten keine Reform dieses Rechtes, die der Veränderung der Medien, der
Technologie und der globalisierten Gesellschaft Rechnung trägt, tut mir leid.
Das heißt nicht, dass wir gar kein Urheberrecht brauchen. Das heißt auch und
erst Recht nicht, dass jeder alles kopieren können darf. Aber dass Regener genau
diesen Eindruck erweckt, zu genau dieser Schwarzweißmalerei beiträgt – im besten
George-Bush-Style, wer nicht mein Freund ist, ist mein Feind – ist beschämend.
Dass er es mit Stammtisch-artigen Beispielen tut, als säße er in der Eckkneipe
„Bei Babsi inne Zündkerze“ am Tresen und hätte schon 11 Herrengedecke intus,
ist schlimmer als beschämend.
Jetzt hat Regener ja keine vorbereitete
Rede gehalten, sondern mal spontan abgekotzt. Ich bin mir nicht sicher, ob man
ihm das zu Gute halten soll, weil man emotional schon über‘s Ziel hinaus
schießen kann, oder ob das zusätzlich belastend ist, weil das ja ungefilterte
und wahre Einstellung zeigt. Klar ist aber, dass sein grundsätzliches
Missverständnis darin besteht, dass Piraterie oder "Umsonst-Mentalität" der Grund allen Übels sei. Das ist,
wenn überhaupt, maximal die halbe Wahrheit. Musik entwertet sich, so, wie sich
viele Industrien durch die Digitalisierung insgesamt entwerten, was das
monetäre Volumen angeht (und im Fall von Musik ausdrücklich nicht Quantität und
Qualität der Ware). Es ist weniger Geld damit zu machen, weil einfach viele – physische
– Teile der Wertschöpfungskette, die Konsumenten früher mitbezahlten,
wegfallen. Als Teenie habe ich mehr als mein Taschengeld, nämlich fast alles,
was ich mir mit Jobs von Supermarkt-Regaleinräumer bis
Kofferanhänger-Lederstanzer verdient habe, in Musik gesteckt. Eine LP unter 20
Mark war ja schon ein Schnäppchen. Mit CDs und dem Euro wurde die Lage nicht
anders – nur hatte ich mehr Geld und hab noch mehr ausgegeben. Und aufgrund der Schönheit des Auflegens habe
ich teilweise auch damals noch LPs gekauft. Dann kam die digitale Welt, und
weil ich Musik nicht klauen wollte, habe ich meine CDs (und in Teilen in
Horror-Arbeit auch meine Vinyls) digitalisiert, und habe dann für Jahre ein Abo
bei emusic abgeschlossen: 90 Downloads im Monat, 25 Dollar. Das macht im
Schnitt 9 Alben im Monat, zu einem Preis, für den ich früher 1,5 Alben oder
eben 2 Maxis bekam. Legal. Nur von Indie-Labels. Und wenn ich etwas von Majors
brauchte, habe ich es für 1 Euro je Song bei itunes, später bei Amazon gekauft.
Aber selbst das emusic-Abo habe ich gecancelt. 90 Songs im Monat sind zu einfach
viel. Ich komme gar nicht dazu, die Musik zu hören, die ich legal besitze, und
ohne Shuffle-Funktion wäre ich komplett aufgeschmissen. Und damit hört es ja
nicht auf: Allein an dem Vormittag, an dem ich mit dem Regener-Kram in Facebook
bombardiert wurde, hatte ich in meinem Facebook-Newsfeed, ungefragt und
ungegoogelt, Links zu über 4 Stunden frei downloadbaren Soundcloud-Mixes, die
ich auch noch gut fand. Nicht eingestellt von Piraten, sondern von Leuten, die
mit Mixes eine Reputation bilden, ihre Radio-Show bewerben, ihre Mixkünste oder
Genrekenntnis zur Schau stellen und an anderen Stellen darüber Geld verdienen.
Zu deutsch:
Musik wird überverfügbar.
Musik wird vom Zentrum einer ganzen Industrie
zur Beigabe für andere, sei es ein DJ, den man buchen kann, eine Liveband wie
Deichkind oder Delays Disko, sei es Live-Entertainment allgemein oder eben
etwas eigentlich Artfremdes wie ein Smartphone oder Telko-Vertrag. Selbst Coca-Cola
hat schon vor Jahren eine 9stellige (!) Anzahl von Downloads von Majors gekauft
und belohnt Leute mit freien Downloads, die genug von ihrem Gesöff kaufen. Es
gibt freie Downloads, wenn man den richtigen Kaffee kauft. Und es gibt obendrein
Internet-Radios. Und Spotify. Und Mixcloud. Und all das ist legal. Es hat mit
Piraterie nichts zu tun. Es hat nichts damit zu tun, dass wir Künstlern ins
Gesicht pinkeln wollen oder ihre Arbeit nicht wertschätzen. Im Gegenteil: Wer
die Zeit vor dem ipod kennt, wird wissen, wie viel weniger Menschen ein echtes
Musikinteresse hatten oder Künstler abseits der Billboards gehört haben. Nur
haben diese wenigen, die echte Musikfans waren, überproportional viel bezahlt.
Die Zeiten sind vorbei, da kann Regener noch so viele Volksmusikteufel an die
Wand malen, die es nicht gibt. Wir müssen andere Wege finden, Künstler zu
entlohnen. Die Industrie springt ein mit Werbung und Sponsoring. Die Einnahmen
durch Live Gigs steigen seit Jahren kontinuierlich. Ein paar Künstler werden
davon leben können, für andere wird Musik ein exzentrisches Hobby sein, so
traurig das klingen mag. So, wie die Harry-Potter-Autorin Abermillionen verdient
und die besten Lyriker nebenbei Krimis rezensieren, um über die Runden zu
kommen, wird David Guetta steinreich und ein Indie-Rocker nebenbei kellnern. Die
Lyriker können nicht nach ihrem Willen entscheiden, ob sie für Gedichte
entlohnt werden oder nicht, egal, wie genial diese sein mögen. Und die haben
kein Piraterie-Problem, sondern das, was die gesamte Musikindustrie hat: ein
Angebot- und Nachfrage-Problem. Das Musikangebot wächst aufgrund digitaler
Erstellung und Distribution eben derart, dass es gar nicht so viel Nachfrage
geben kann, dass alle ein Kuchenstück bekommen, das satt macht. Ich kann nur
unter Drogeneinfluss 24 Stunden Musik am Tag hören. Mehr geht halt nicht.
Also: Piraterie ist scheiße. Musik
klauen ist scheiße. Und um es klar zu sagen: mache ich nicht. Dennoch weiß ich
nicht, wie ich euch mein Geld zukommen lassen soll, wenn ich überall geile
Musik in die Hände bekomme, für die ich nicht bezahlen SOLL.
Dass Regener nicht versteht, dass
illegale Kopien nur ein kleiner Teil des Problem sind, finde ich zwar peinlich,
kann ich aber noch irgendwie verstehen. Der alte Mann und das böse Internet. Aber
wie viele Menschen, von denen ich dachte, dass sie es besser wüssten, auf diesen
peinlichen Rant die Korken knallen ließen, das hat mich schon
irritiert.
Mar 22, 2012
How it is...
Today I had to turn down something that I would have loved to do. Then I saw something like this on 9GAG and had to adapt it.
Mar 13, 2012
Facebook & Forrester Study on Brand Building
Interesting study in which Forrester was commissioned by Facebook to ask over 100 VPs and C-level executives from companies with 5,000+ employees in the UK, US, Canada and Australia. They issued a "blueprint" for brands in the digital age, in a "connected world". Ever since I was forced to work in all my presentations with AIDA by a client in my very early days, I look at these simplyfied models with great scepticism, but sometimes they are fairly helpful to assess ideas, concepts and strategies.
Wether or not this is part of Facebook's obviously IPO-driven plan to get companies to invest more in their platform (check this new product), you cannot ignore FB in your digital marketing mix. Of course, they can offer paid services for all four "middle disciplines", but that doesn't make them wrong. Download the study here.
Wether or not this is part of Facebook's obviously IPO-driven plan to get companies to invest more in their platform (check this new product), you cannot ignore FB in your digital marketing mix. Of course, they can offer paid services for all four "middle disciplines", but that doesn't make them wrong. Download the study here.
Mar 5, 2012
Das Pinterest-Ding: Wo hört ein Link auf - und wo fängt "Sharing" an?
Seit einigen Wochen überschlagen sich die US-amerikanischen
und in der Folge auch europäischen Blogs und Tech-Medien bezüglich Pinterest:
Es ist ohne Zweifel DER Newcomer unter den sozialen Plattformen in 2012 bisher.
Eine Beschreibung des Dienstes findet man an ganz vielen Stellen im Web, daher
für alle, die es sich noch nicht selbst angesehen haben, nur in aller gebotenen
Kürze: Pinterest erlaubt es, „Boards“ anzulegen, also einzelne Webseiten
innerhalb Pinterest.com, auf denen man Web-Fundstücke in Form von Bildern, die
irgendwo im Internet gefunden wurden, ablegen kann. Dabei muss man nicht aktiv
das Bild kopieren, speichern und irgendwo einfügen sowie eine Quellenangabe
beigeben, sondern mit dem sogenannten „Bookmarklet“ reichen zwei Klicks, um diesen
Vorgang zu vollziehen. Diese Mechanik via Bookmarklet ist nicht neu: Mein eigener Posterous-"Blog", auf dem ich im wesentlichen Infografiken samt Ursprungsquelle sammle, funktioniert auf exakt diese Weise.
Bei Pinterest entstehen nicht Einzelblogs, sondern thematische Sammlungen als "Boards", etwa „schöne Frauenfotos“ oder „Produkte, die ich haben will“, und wer auf ein Bild in einem solchen Board klickt, landet automatisch in der Quelle, wo das Bild veröffentlicht wurde. Man kann einzelnen Boards „folgen“, ähnlich wie man Personen bei Twitter folgen kann, Bilder ähnlich wie in Facebook „liken“ und ähnlich wie in Tumblr re-posten in einem eigenen Board. Auf diese Weise erlangen diese Web-Fundstücke eine zusätzliche Verbreitung, und diese führt zu Traffic auf der Ursprungsseite des jeweiligen Bildes: Der Grund, warum Pinterest in aller Munde ist, liegt darin, dass es extrem erfolgreich in einem Geschäft ist, in dem Google und Facebook dominieren: Der Zuführung von Traffic auf Webseiten.
Bei Pinterest entstehen nicht Einzelblogs, sondern thematische Sammlungen als "Boards", etwa „schöne Frauenfotos“ oder „Produkte, die ich haben will“, und wer auf ein Bild in einem solchen Board klickt, landet automatisch in der Quelle, wo das Bild veröffentlicht wurde. Man kann einzelnen Boards „folgen“, ähnlich wie man Personen bei Twitter folgen kann, Bilder ähnlich wie in Facebook „liken“ und ähnlich wie in Tumblr re-posten in einem eigenen Board. Auf diese Weise erlangen diese Web-Fundstücke eine zusätzliche Verbreitung, und diese führt zu Traffic auf der Ursprungsseite des jeweiligen Bildes: Der Grund, warum Pinterest in aller Munde ist, liegt darin, dass es extrem erfolgreich in einem Geschäft ist, in dem Google und Facebook dominieren: Der Zuführung von Traffic auf Webseiten.
Wir haben es also mit einer Mischform aus Social Bookmarking
und Social Network zu tun. Als Nutzer kann ich extrem einfach Dinge sammeln und
veröffentlichen, und als Unternehmen kann ich, ähnlich wie mit „Like“, mit
einem „Pin-it-Button“ versuchen, mehr Öffentlichkeit für meine Inhalte zu
erlangen, also Traffic auf meine Seite zu ziehen.
Die entscheidende Frage bei Pinterest ist aber genau die
Gewichtung zwischen Social Network und Bookmarking-Dienst: Wo fängt eigentlich „Sharing“
an und wo hört eine Verlinkung auf? Wenn ich, sagen wir mal als Fotograf, ein
Bild veröffentliche, und mir wünsche, dass meine Webseite die einzige im ganzen
Web wäre, auf der es bestaunt werden kann – darf das Bild dann jemand „pinnen“?
Darf es zum Beispiel als Vorschau eines Links im Facebook-Newsfeed auftauchen?
Macht sich jemand strafbar, wenn er wahllos Inhalte „pinnt“? Ich bin kein
Anwalt und will mich gar nicht erst darin versuchen, hier eine juristische
Einordnung vorzunehmen. Gefühlt ist es so, dass ein Vorschaubild zu einem Link
bei Facebook und ein Bild in Pinterest sich nur in der Größe und in der
Erscheinung als Link unterscheiden.
![]() |
| Link bei Facebook: Headline, Textbeginn, Vorschaubild |
Beide kopieren nicht das jeweilige Bild auf ihre Server, sondern ziehen es von seinem Ursprungsort. Bei einem
Facebook-Link ist es allerdings so, dass dieser eindeutig als solcher
gekennzeichnet ist. Der Sinn und Zweck der Vorschau ist es, dem Nutzer mehr Entscheidungshilfe
zu geben, ob es sich lohnt, auf den Link zu klicken oder nicht. Bei Pinterest
wird die Verlinkungsfunktion zwar – allen Statistiken nach – stark genutzt,
aber das Bild, das da verwendet wird, erscheint zunächst als eigenständiger Inhalt. Der
Link-Charakter ist nicht sofort ersichtlich, wenn man ein ganzes Board
betrachtet: Dieses ist bei Pinterest in sich als Medieninhalt konsumierbar, ein
Facebook-Link bringt eine Headline und einen Vorschautext mit, ist aber in sich
in der Regel nicht erschöpfend. Aber der Vergleich der Bilder zeigt: so
unterschiedlich, wie man denken könnte, sind die Verfahrensweisen nicht.
![]() |
| Link bei Pinterest: Quellenangabe, Bild (verlinkt) |
Die Frage ist komplex. Pinterest bietet neuerdings Webseiten
die Möglichkeit, das „Pinnen“ zu unterbinden und belegt damit quasi selbst,
dass man sich in einem sehr grauen Bereich bewegt, was die rechtlichen Rahmenbedingungen angeht. Denn die Haltung „Wenn du nicht willst, dass ich Deinen
Garten umgrabe, kannst du ja einen Zaun bauen“ ist natürlich ebenfalls eine
fragwürdige.
Ich erwarte nur wenige Pinterest-Skandale, weil die
überwiegende Mehrheit der Webseiten daran interessiert ist, Traffic zu
erhalten. Und wenn der Weg dazu „pinnen“ bedeutet, dann sei es so - als Shop-Betreiber oder Webseite, die Werbung
vermarktet, würde ich jedenfalls nicht klagen. Aber grundsätzlich wirft Pinterest
die spannende Frage auf, wie wir eigentlich eine „Vorschau“ definieren, was (unter diesen technischen Bedingungen) ein
Zitat ist und wann eine Reproduktion oder Kopie von Inhalten gegeben ist.
Insbesondere zum Beispiel, wenn man etwas „re-pinnt“ und auch gar nicht selbst
aufgestöbert hat. Und wie ist es, wenn ich in Deutschland auf einer
US-amerikanischen Plattform den Inhalt von einer russischen Webseite pinne? Und
wenn das illegal wäre, wer soll die bereits jetzt Abermillionen von Fällen
verfolgen und verhandeln?
Die Technik und das Nutzerverhalten überrunden wieder einmal
die Rahmenbedingungen, innerhalb derer sich Nutzer und kommerzielle Anbieter
bewegen. Meine Prognose ist die, dass hier interessengesteuert verfahren wird.
Anders als bei Raubkopien von Musik, wo die Fronten klar gezogen sind, haben
viele derer, die Urheberrechte an gepinnten Inhalten besitzen, durchaus ein
Interesse, dass diese auch gepinnt werden. Das ist auch der Grund, warum man Dienste
wie Pinterest auf dem Radar haben müssen wird. Egal, wie hübsch sich „Boards“
ansehen oder wie viel Spaß es macht, die Seite zu nutzen: Letztlich ist der
Dienst, wie an vielen Stellen auch Facebook, ein gigantischer Traffic-Hub. Und
wer in dem Business, Traffic zu verteilen, erfolgreich ist, also Nutzern
letztlich Zugang zu relevanten Webseiten und damit Informationen, Produkten und
Dienstleistungen bietet, der wird auch wirtschaftlich erfolgreich sein.
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