Technology is our friend: May 2012
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May 31, 2012

Internet Trends

The one and only Mary Meeker delivers again one of her brilliant Internet Trends presentations. She has been putting an emphasis on mobile for years - and continues to do so.
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KPCB Internet Trends 2012
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May 30, 2012

Reform oder nicht Reform?

Ich weiß ja nicht, ob Mr. Vetter mit allem Recht hat, was er da sagt, aber mit seinem Fazit - das Urheberrecht muss reformiert werden - hat er allemal Recht. Meiner Meinung nach. Darf ich das Video hier jetzt teilen, ARD?
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May 29, 2012

Donation

860 friends... 1 day... tried everything - even a cat pic... 125 likes. Proving that this Edge Rank mess even goes for private profiles.



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May 25, 2012

May 23, 2012

Urheberrechtsdebatte und Facebook IPO

In der deutschen „Web-Öffentlichkeit“ gibt es derzeit zwei dominierende Themen: Das Urheberrecht und den Facebook-IPO. Aus meiner Sicht haben beide Themen mehr miteinander zu tun, als man auf den ersten Blick sieht. Warum? Weil Facebook zwei wesentliche Prinzipien etabliert hat, die für Medien(-schaffende) zukünftig ihr grundlegendes Handwerkszeug massiv beeinflussen werden.

Vieles von dem, was zu Facebooks Börsengang diskutiert wird, ist eigentlich völlig unerheblich. Ob Facebook nun 841,6 oder 912,2 Millionen Nutzer hat, dieses oder jenes Feature abschafft oder hinzufügt, GM als Anzeigenkunden verliert oder nicht – das alles spielt keine Rolle, wenn man sich Facebooks prinzipielle Funktionsweise ansehen will (bspw. um sich ein Bild von der potenziellen langfristigen Entwicklung der Aktie zu machen). Ich sehe bei Facebook zwei grundlegende Mechanismen, die es zwar vorher schon gab, die aber bei Facebook erstmals einer großen Masse an Teilnehmern systematisch angelegt zur Verfügung gestellt werden.


Prinzip 1: Teilen

„Sharing“ ist ja eigentlich ein Web-Schimpfwort (womit wir den ersten kleinen Übergang zur Urheberrechtsdebatte haben). Bei Facebook ist es das natürlich nicht, sondern so etwas wie eine Ur-Fuktion des Dienstes: Im Prinzip kann jeder alles mit seinen Freunden teilen. In bestimmten Bereichen bietet Facebook dafür die Vollausstattung mit eigenen und Fremd-Produkten (z.B. bei Bildern, Location), in anderen Bereichen dominieren Fremdprodukte, die aber voll integriert werden (z.B. Youtube bei Videos, Soundcloud bei Musik u.a.). Der Facebook Newsfeed eines jeden Nutzers ist im Grunde ein personalisiertes Magazin, und alle Freunde gemeinsam (und Marken, die dem Nutzer gefallen) sind der Chefredakteur, der entscheidet, welche Inhalte als Links oder eben als direkt konsumierbare Inhalte in jenem Magazin erscheinen. Und wie bei jedem guten Webmagazin kann man diese nun „weiter-teilen“, kommentieren, bewerten etc. Die unergründliche Weite des Webs wird nun zumindest greifbarer: da ist dieser eine Freund, der immer die wildesten Tumblr-Blogs ausfindig macht, der andere postet die schönsten Musikvideos und noch einer verbreitet Links zu den interessantesten Wirtschaftsnachrichten. Das alles erscheint irgendwo im Web, und wir würden gar nicht aktiv danach suchen – aber weil ein Inhalt geteilt wird, gelangt er zu uns. Die Anzahl der Urheberrechtsverletzungen dürfte hierbei in strenger Auslegung täglich in die Milliarden gehen. Der Spiderman-Bilderwitz mit der lustigen Unterzeile ist einfach zusammengeschustert worden, von einem lustigen Zeitgenossen ohne finanzielles Interesse. Privatkopie? Oder profitiert nicht doch mindestens Facebook davon? Ist ein Link noch ein Link, wenn Überschrift, Vorschaubild und die ersten paar Zeilen eines Textes mitgeliefert werden, oder ist das schon unerlaubte Verwendung geistigen Eigentums? Wie viele Radioshows, die als Soundcloud-Stream in meinem Newsfeed landen, haben die Rechte an dem 1963er Samba-Stück da bei Minute 41 wirklich? Ist das mit der GEMA abgegolten?

User generated, garantiert rechtelose "doppelte Kino-Promotion": Witz oder Straftat?


All diese Fragen stellen sich nicht wirklich. Facebook hat, gemeinsam mit vielen anderen "social Plattformen", eine neue Wirklichkeit geschaffen, und all jene, die Urheberrechtsverletzungen beanstanden könnten, bemühen sich zumeist nicht darum, die Verwendung ihrer Inhalte in Diensten wie Facebook einzudämmen, sondern eher im Gegenteil darum, mehr Öffentlichkeit in Facebook herzustellen: DJs streamen ihre Mixes. Zeitungen posten Links zu ihren Artikeln, und in nicht wenigen Fällen hat Facebook den Platz von Google als wichtigste Traffic-Quelle eingenommen. Fotografen zeigen ihr Portfolio. Autoren stellen einzelne Kapitel in Plattformen ein und diskutieren diese mit ihrer Leserschaft – Jeff Jarvis hat zum Beispiel massiv in Facebook (und anderen Networks) kommuniziert, dass sein Buch „Gutenberg the Geek“ für einen bestimmten Zeitraum bei Amazon Kindle kostenlos herunterzuladen war - der Annahme folgend, dass diese so viel darüber reden/kommunizieren würden, dass dieses mehr Verkauf erzeugen würde. Die amerikanische Basketball-Profiliga NBA erzielt mit Videosschnipseln von Spielszenen mehrere Milliarden Video Views pro Saison alleine über Facebook, und dabei ist der Verkauf von Bewegtbild ihr einträglichstes Geschäft – nach den Regeln der alten Ökonomie sollte man ja eigentlich das Angebot verknappen, um den Preis hochzutreiben. Nach den Regeln der Teilen-Ökonomie schafft das Überangebot von Ausschnitten so viel mehr Nachfrage, dass der Preis für „die ganze Ware“ steigt – bessere TV-Einschaltquoten als in der letzten Saison hatte die NBA zuletzt in den 80er Jahren. Und selbst der Spiderman-, Avengers-, Batman-, Younameit-Bilderwitz ist im Hinblick auf den nächsten Kinofilm oder aktuell erhältliches Merchandising eher positiv, und wer weiß, ob etwa Star Wars ohne Social Media und insbesondere Facebook, die ganzen kunstvollen Bearbeitungen von Star Wars Themes, die Bilderwitze und Youtube-Synchronisationen derartige Unmengen unterschiedlichster Lizenzprodukte hätte verkaufen können. Das „Prinzip Teilen“ wirkt sich (zumeist) positiv das Geschäft von Medien (-schaffenden) aus.


Prinzip 2: Vernetzung

Die Urform der Vernetzung bei Facebook ist die Verbindung zweier Freunde. Diese müssen gegenseitig bestätigen, dass sie Freunde sein wollen, und können aufgrund dieser symmetrischen Zustimmung diverse Facebook-Features miteinander nutzen, allen voran das Posten von Inhalten in den Newsfeed des anderen, also die Grundfunktion des „Prinzips Teilen“. Mit hunderten Millionen von Nutzern ist das schon ein komplexes Bild: Person – gegenseitige Beziehung – Person. Bedenkt man, dass ich bei z.B. Xing rund 460 Freunde und dabei 109.300 „Freunde von Freunden“ habe, kann man sich ungefähr (eben nicht) ausmalen, wie der „Graph“ bei Facebook aussähe, der nur Freunde und ihre gegenseitigen Beziehungen zueinander darstellt. Dann kamen noch Brand- und Fanpages hinzu. Hier haben wir eine einseitige Beziehung. Nutzer gefällt Marke, Prominenter, Produkt. Der universelle Like-Button führte weitere einseitige Beziehungen ein. Nutzer gefällt Artikel, Video, Bild, Produkt, Musikstück. Diese einseitige Beziehung kann sich auf alles richten, was digital darstellbar ist. Eine ganze Webseite oder ein einzelner Kommentar, ein Film oder ein Foto, einen Staubsauger bei Amazon oder eine Hose bei H&M. C&A in Brasilien experimentiert damit, in einer digitalen Anzeige in den Kleiderbügeln die „Likes“ eines jeden Kleidungsstückes darzustellen.

Facebook erfasst also Personen/Personen, Personen/Objekte und ihre Beziehung zueinander. Mit der neueren Generation von Apps ist diese Beziehung nicht nur zweiseitig (Freunde) oder ein einseitiges „Gefällt mir“, sondern es ist jedwedes Verb als Beziehung anlegbar. „Hat gekocht“, „hat gelesen“, „hat bei Spotify gehört“, „hat bei ProSieben geschaut“ usw.

Lesen, schauen, hören... alles kann systematisch erfasst werden.
Dazu können sich mit dem „Subscribe“-Feature Personen auch einseitig verbinden. Es sind also nicht nur Menschen miteinander vernetzt, sondern Facebook ermöglicht und erfasst Beziehungen aller Art zwischen Menschen untereinander sowie Menschen und Objekten aller Art. Diese Ultravernetzung übersteigt unsere Vorstellungskraft bei weitem, und wenn man bedenkt, dass täglich ein paar Milliarden Mal der „Like“-Button innerhalb und außerhalb Facebook geklickt wird, kriegt man nur eine ungefähre Idee davon, wie riesig das Informations- und Datengeflecht wird, das Facebook da zu jedem Nutzer anlegt. Aber was die Erfassung all dessen ermöglicht, ist, das Prinzip des Teilens relevanter zu machen. Die Zensurinstanz über den Chefredakteuren, die durch „Teilen“ unser tägliches Internetmagazin füllen, speist sich im Wesentlichen durch diese Vernetzungsdaten – für relevant Befundenes wird prominent, etwas als weniger relevant kalkuliertes wird im Zweifel auch gar nicht angezeigt. Für Medien(-Schaffende) bedeutet dieses, dass Facebook mit vergleichsweise wenig Aufwand wird ermitteln können, welches Buch für wen interessant sein könnte, wem welche Musik gefallen müsste und wer welchen Film genießen könnte. Eventuell braucht es dazu nicht einmal eine hypergeniale Recommendation Engine, sondern nur eine smart aufbereitete Einsicht darin, welche Bücher, Filme, Musik meine Freunde, bevorzugten DJs, Lieblingsregisseure und Musiker sich so ausgesucht haben.

Dieses überlässt Facebook heute Drittplattformen, aber es sitzt dabei auf der globalen Infrastruktur, die sie alle benutzen: Letztendlich „leiht“ Facebook einer MyVideo-App, Guardian und Washington Post, Spotify und Rdio und all den anderen seine Daten und seine Infrastruktur nur. Künstler, Musiker, Fotografen, Bands, Filmemacher, TV-Stationen und Formate, Prominente, Autoren, auch Programmierer und App-Anbieter – also im Grunde Menschen aus den Bereichen, die „Wir sind die Urheber“ oder auch „Auch wir sind Urheber/innen“ unterschrieben haben, bedienen sich dieser Vernetzugs-Infrastruktur, um ihre Erzeugnisse bekannt und schmackhaft zu machen. Je besser sie das können (eines Tages), je mehr dann im Sinne des ersten Prinzips ihre Inhalte „geteilt“ werden, desto weniger benötigen sie einen Verwerter, der das Gleiche, derzeit noch halbwegs funktionierend, in Zukunft dagegen eher erbärmlich anmutend über Massenmedien, Plakate, Messestände und Webseiten versucht.

Im Sinne des Facebook IPOs ist es sicher eine relevante Frage, ob diese „Ultravernetzung“ von Facebook wird kapitalisiert werden können und ob diese nicht als archaischer Urversuch eines Tages von einem viel smarteren Dienst abgelöst wird. Im Sinne der Entwicklung des Internets scheint aber klar, dass es immer bessere Wege des Teilens und des Vernetzens geben wird, ob diese nun von Facebook kommen oder nicht. Hier ist spätestens der Übergang zur Urheberrechtsdebatte sichtbar: In einer Welt, in der nahezu maximale Transparenz herrscht, weil alle prinzipiell alles teilen können (also mindestens Verweise auf Medienerzeugnisse) und jeder mit jedem/allem vernetzbar ist, werden weite Teile dessen, was heute „Marketing und Vertrieb“ geistigen Eigentums ist, systemisch effizient abbildbar, bei – im Vergleich zu traditionellen Medien – hoher Zielgenauigkeit und so niedrigen Kosten, dass man sich nicht zwingend an ein spezialisiertes Unternehmen wenden muss: Eine Band kann ihre Facebookseite im Zweifel selbst pflegen und zehntausende Fans selbst ansprechen, wann immer und wie immer sie es für richtig erachtet. Ein Autor kann ein Buch fast schon direkt aus Word heraus in den Kindle Shop einstellen und direkt über eine frei zugängliche Infrastruktur (etwa die von Facebook) bekannt machen. Das ist zwar in weiten Teilen Zukunftsmusik, die man derzeit nur leise im Hintergrund hören kann, wenn man die Ohren spitzt, und die man mit etwas Geschrei noch leicht übertönen kann, aber wenn uns die Entwicklung des Webs eines gelehrt hat, dann, dass diese Musik näher kommen und lauter werden wird, bis man ihr selbst mit Ohropax de Luxe nicht mehr entkommen kann.

Die Debatte um Urheberrecht, Umsonstkultur und Piraterie ignoriert für meinen Geschmack zu sehr, dass sich der Markt gerade selbst auf den Kopf stellt, unabhängig vom gewerbsmäßigen Klau geistigen Eigentums. Bizarrerweise ist die Infrastruktur, in der die Zukunft des Mediengeschäftes liegt, auf demselben Fundament gebaut wie die der Piraterie: auf den Prinzipien von Teilen und Vernetzen. Diese Prinzipien sind aber (auch unabhängig von Facebook als Plattform) universelle Web-Funktionsweisen, weshalb übrigens viele Menschen sich gegen Gesetzesvorlagen massiv wehren, die versuchen, diese Mechanismen einzuschränken.

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