Technology is our friend: Why, Schmidtlepp?
Back To Normal

February 20, 2013

Why, Schmidtlepp?

Nicht twittern wollen ist ja kein Problem. Zu merken, dass Twitter nicht unbedingt der Trafficlieferant schlechthin ist, hätte auch 2010 oder 2011 schon gut funktionieren können, ist aber auch 2013 noch eine legitime Erkenntnis. Aber warum macht Christopher Lauer eine Nummer daraus und kündigt seinen Twitter-Abgang via FAZ-Gastbeitrag an? Ich hatte ihn für schlauer gehalten. Seine Argumentation, dass Kosten und Nutzen nicht übereinstimmten, wobei Nutzen im wesentlichen als Reichweite für seine eigenen Inhalte verstanden wird (und nicht etwa als Austausch, Dialog, Inspiration, Feedback), ist dann besonders seltsam, wenn er dem so definierten Nutzen die Vorzüge eines Gastbeitrags in der FAZ gegenüberstellt und ermittelt, dass er damit viel mehr Leute erreichen würde. "Meinen Gast-Artikel darüber, dass Twitter nichts kann, lesen in jedem Fall mehr Leute als einen Link in einem Tweet". Ja, und? Oder anders: Warum will ich meinen Senf dazu abgeben?


Weil ich dachte, dass gerade die Tatsache, dass ein Gastbeitrag in der FAZ eben nur für ganz wenige Leute ein Kanal ist, über den sie sich äußern können, ein originäres Piraten-Thema sei. Selbst unter Abgeordneten sind es nur ein paar Auserwählte, denen die Möglichkeit gegeben wird, sich in nationalen Tageszeitungen auszutoben. Habe ich die Piraten missverstanden, wenn ich davon ausging, dass gerade die Demokratisierung von Medien, und sei es auf Kosten der Reichweite derer, die gleicher sind als andere, etwas extrem Begrüßenswertes wäre? In der Haltung, die aus dem Gastbeitrag spricht, ist das Verhältnis von "signal to noise", das "Dauerrauschen", ein unüberwindbares Problem. Ist es so gravierend, dass eine Medienwelt zu bevorzugen ist, in der Abgeordnete per Papier zum Volk sprechen und Dialogmedien als Trafficschleuder verstanden werden? Es gibt ja noch die Email? Es ist diese Haltung, die verstört:

"Ich kann FAZ, und deshalb lasse ich das Twittern sein".

Man hätte Twitter, wenn man keinen Bock mehr darauf hat (was ja legitim ist), auch einfach so veröden lassen können - was gewinnt man, wenn man nicht gerade einen Abgang zu Grünen, SPD oder FAZ vorbereitet, indem man das per Gastbeitrag macht, von dem man weiß, dass die meisten Menschen, die sich als "Netizens" sehen, vor allem aber jene, für die Twitter dann doch irgendwie nützlich ist, sich darüber lustig machen werden?

Wahrscheinlich sehe ich den großen Masterplan hinter solch einer Aktion nicht. Oder es ist ganz simpel: "Erfolg", Anerkennung, die Angebote, Zeitungsspalten vollzuschreiben oder offenbar "häufig gestellte Fragen" wie in dem Tweet hier unten steigen einem irgendwann zu Kopf.