Technology is our friend: Ein letzter Kommentar zum Musikbusiness
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October 16, 2013

Ein letzter Kommentar zum Musikbusiness

... wo doch auch David Byrne sich letztens im Guardian, nicht ganz im Regener-Style, so aber doch sehr kulturpessimistisch darüber ausließ, das man als Künstler bei sportify kein Geld verdienen könnte (eine der vielen Repliken erschien dann auch ebenda). Damit hat er sicher recht - nur ist die Frage, die er beantwortet, falsch. Wenn spotify die Rolle zukäme, Musiker zu finanzieren und für ihren Lebensunterhalt zu sorgen - ja, das wäre tragisch. Aber so ist es nicht. Gestern war ich auf einem Konzert. Es wurde benannt als Teil einer "Album Release Tour". Wir alten Menschen, die noch Vinyl und dann CDs gekauft haben, denken dabei, das Konzert wäre dazu da, das Album zu promoten. So war es ja auch früher, und das war verständlich - Alben lassen sich leichter skalieren als Konzerte. Jetzt ist es natürlich genau andersrum.
Das Album promotet das Konzert. Es müsste "Tour Release Album" heißen, auf Spotify zu streamen sein und Leute dazu anheizen, die Show sehen zu wollen (und so ist es auch, bis auf den Album Namen):

Hier ist die neue Hackordnung: Konzert 40, T-Shirt 25, CD 10 Euro.

Die Vinyl ist bei den Volumina, die verkauft werden, auch nur ein Sammlerstück - wie der Key Ring (nicht im Bild, 5 Euro). Und sie ist immer noch günstiger als das Shirt. Und halb so teuer wie ein Konzert.

Das ist in sich verändernden Märkten auch kein Vorgang, den die Musikindustrie für sich allein hat. Amazon versucht, seine Tablets zum Selbstkostenpreis zu vermarkten, um Medien dafür zu verkaufen. Seit es Geschäfte mit der Struktur von Öllampe & Öl gibt, ist es möglich, dass ein Markt viele Öllampen verkauft, weil das Öl so billig ist, oder sich dahin entwickelt, dass Öllampen verschenkt werden, weil man mit Öl besser Wert schöpfen kann (von Tintenstrahldruckern will ich gar nicht anfangen). Das alles kann man nun begrüßen oder nicht, aber dass Dateiverkauf (ehemals Tonträgerverkauf) oder Streaming nur mehr eine Promomaschine für Konzerte geworden ist, kann man schwer bezweifeln. Deswegen darf man die Promomaschine auch nicht daran messen, ob sie in sich für Künstler ein tolles Geschäftsmodell darstellt. Denn auch, wenn Fat Freddy's Drop bei Spotify nur 11,97 Euro für ihre Streams bekommen - für die Konzerte war das vielleicht nicht so schlecht.