Technology is our friend: Connected Products: Leere Hülle vs. Full Service
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May 28, 2014

Connected Products: Leere Hülle vs. Full Service

Heute habe ich die Meldung gelesen, dass von Apple auf der nächsten WWDC gemunkelt wird, Produkte im Zusammenhang mit "Smart Home" zu launchen. Wie bei Apple üblich, wird es in welcher Form auch immer um Lösungen gehen, die in sich geschlossen sind und bei dem ein Apple Service auf den anderen aufbaut. Wer sich gedanklich ein wenig mit iBeacon beschäftigt hat, musste diesen Schritt ja eigentlich erwarten. Es darf bezweifelt werden, dass es so albern aussehen wird wie auf dem Foto, aber es ist kaum anzuzweifeln, dass, was auch immer Apple da vorstellt, es intensiv mit seinen Geräten und seiner Software vernetzt sein wird.



Das "connected home" kann in der Tat der ultimative "Lock in" sein. Ich will jetzt nicht unser überambitioniertes T-Com Haus von 2005 wieder herauskramen. Aber sagen wir es mal so: Die Konzepte gibt es schon seit sehr, sehr langer Zeit. Und die Zeit scheint reif: Google kauft Nest für entspannte 3,2 Milliarden Dollar, und wer den Erfolg von Dropcam kennt - höhere Upload-Zahlen als YouTube-, wundert sich, warum so ein Service a) noch nicht von den Giganten Apple, Google, Amazon aufgegriffen und b) bei uns noch nicht massenhaft im Markt ist. Klar ist, das hier geschlossene, mit anderen (in dem Sinne proprietären) Diensten verwobene Hardware (?) und Services (sicher) auf den Markt kommen, die unser Zuhause "smarter" machen sollen.

Auf der anderen Seite gibt es diese Produkte, die als Hardware in sich quasi nutzlos sind, deren Intelligenz aber (jetzt wird es kompliziert) häufig durch Anschluss an jene Ökosysteme, meistens Android und iOS, erwirkt wird (in meiner Ungeduld dachte ich, das würde das größte Ding in 2012 werden, und habe die Ansätze hier beschrieben). Ein Jawbone Armband etwa ist strohdoof ohne die dazugehörige App. Die Withings Waage ist halt eine wahnsinnig überteuerte Waage, wenn keine App daran hinge. Die Pebble Smartwatch kann sich mit jeder 4-Euro-Digitaluhr messen, wenn wir sie nicht via Apps "smart" machten. Im Grunde sind diese Geräte leere Hüllen mit einer Minimalintelligenz, die nur durch zusätzliche Bildschirme und Bedienelemente, die außerhalb dieser Hardware liegen, zu einem vollständigen Produkt werden. Die absolut eindeutigste Version dieses Konzeptes habe ich zufälligerweise auch heute entdeckt, wahrscheinlich den ultimativen Gegenpol zu dem, was von Apple in "connected home" zu erwarten ist - und ich liebe es jetzt schon und werde gleich eins kaufen, die pre-order Phase läuft schon. Die sehen so aus:


"Leere Hülle" ist ja fast übertrieben. Es ist ein Knopf. Ich kaufe mir für 69 Euro einen Knopf. Der Spruch auf der Homepage "The simplest user interface in the world" ist in diesem Fall wohl ausnahmsweise zutreffend. Was der Knopf kann außer gedrückt werden? Es kann programmiert werden, was das Auslösen des Knopfes tun soll. Ganz ähnlich zum von mir heißgeliebten reinen Software Service IFTTT. Ich werde diesen Knopf auf meinen Schreibtisch stellen und wenn ich Präsentationen baue, per Knopfdruck mein Telefon auf lautlos stellen. Oder, wenn ich krank bin, den Knopf auf "SMS an Freundin: Brauche Suppe" programmieren. Oder auf Knopfdruck meine Standard-Pizza-Order losschicken. Vielleicht werde ich 10 Knöpfe in 10 Farben brauchen, für 10 Aktionen. Hätte ich noch eine Oma, würde ich ihr nicht das hier, sondern auch so einen Knopf kaufen. Oder, wie hier beschrieben: Dein Kind kommt von der Schule, du bist im Büro, und per Knopfdruck "checkt es zuhause ein", sendet also eine SMS an dich mit "bin zuhause angekommen". Und Knopf drücken macht sicher Spaß.

Aber Spielerei beiseite: hier haben wir eine leere Hülle, ein system-agnostisches Gerät, das frei programmierbare Aktivitäten auslöst. Das ist von Natur aus weit sympathischer, als irgendwann nach "iOS kompatiblen Türschlössern" zu suchen oder Angst vorm Android-Hack meines Kühlschrankes zu haben. Wir können gespannt sein, was Apple da vorstellen wird (nach der massiven Enttäuschung von android@home vor ziemlich exakt 3 Jahren) - aber noch geiler als so ein Knopf muss es erstmal sein.